Romantische Reise nach Nordost

Plakat Sinfoniekonzert A8
Alexej Barchevitch, Violine (Foto: Dominik Franke)

Das Programm des Sinfoniekonzerts A8 am Donnerstag, dem 26. April 2018, um 20 Uhr in der Stadthalle Gotha spiegelt „Bewegende Lebensszenen“ und steht ganz im Banne nationaler Romantik des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Zum Auftakt spielt die Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach unter Leitung des südkoreanischen Gastdirigenten Kwang-Hyun Kim Rimski-Korsakows farbenreiche Ouvertüre zur 1889 vollendeten Oper „Mainacht“. Darin taucht der Komponist in die fantastische Welt der Wassernixen ein. Märchen und reales Geschehen sind auch musikalisch äußerst reizvoll verknüpft, indem der Komponist schillernde Bilder mit aufschimmerndem russischem Kolorit aneinanderreiht.

Geographisch geht es danach nordwärts. Auch in Skandinavien macht sich um die Jahrhundertwende der Einfluss nationaler Töne bemerkbar. Unter den Komponisten sticht der Finne Jean Sibelius mit seiner eigenwilligen, teils sehr zerklüfteten Tonsprache heraus. Im Gegensatz zu den Sinfonien allerdings spricht im Violinkonzert d-Moll von 1904 die Stimme des Herzens, rein und unverfälscht. Auch wenn Sibelius es selbst nicht zum Geigenvirtuosen geschafft hat, war er ein ausgezeichneter Kenner des Instruments. In allen drei Sätzen seines Konzerts fordert er dem Solisten das Äußerste an technischem Können und an Klangqualität ab. In Gotha wird sich Konzertmeister Alexej Barchevitch der anspruchsvollen Aufgabe stellen.

Im zweiten Teil des Konzerts wechselt das Programm nach Russland zurück. Tschaikowskis sechste Sinfonie, der sein Bruder Modest postum den Beinamen „Pathétique“ verlieh, ist eines der ergreifendsten musikalischen Vermächtnisse der Musikgeschichte. Erst 53-jährig schreibt der Komponist mit diesem Werk sein Testament. Es ist ein Resümee einer leidgeprüften Seele, voller Nöte, Ängste und Abgründe, aber auch durchzogen von Glücksmomenten. Gehörte Rimski-Korsakow den Novatoren, jenem „mächtigen Häuflein“ russischer Komponisten an, die autodidaktisch nach neuen Wegen suchten, so bildete Tschaikowski den Gegenpol. Auch wenn er sich den Vorwurf gefallen lassen musste, zu „westlich“ zu sein spricht aus jedem Ton die Schwermut der russischen Seele. Und das nirgends so tiefgreifend, wie in seiner letzten Sinfonie.

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„Bewegende Lebensszenen“ – Sinfoniekonzert A8
Do, 26.04.2018, 20 Uhr, Stadthalle Gotha

Nikolai Rimski-Korsakow: Ouvertüre zu „Die Mainacht“
Jean Sibelius: Violinkonzert d-Moll op. 47
Pjotr Tschaikowski: Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 74 „Pathétique“

Solist: Alexej Barchevitch, Violine

Dirigent: Kwang-Hyun Kim