„EAST MEETS WEST“

Foto:  Jianguo Lu
Impressionen aus Fernost in Gotha und Eisenach

Ein Erlebnis der besonderen Art verspricht das fünfte Konzert der Reihe B „East meets West“. Unter Leitung des asienerfahrenen Chefdirigenten Russel Harris stellt der gebürtige Chinese Jiangou Lu eines der beliebtesten Nationalinstrumente vor: die Erhu, genannt auch chinesische Geige. Ihr Klang ähnelt der Violine oder dem Cello, verleugnet aber mit exotischem Vibrato und typischen Glissandi nicht ihre Herkunft.

Jiangou Lu, der seit 1989 in Deutschland lebt, versteht sich als Brückenbauer zwischen den Kulturen. Sein Programm stellt unterschiedlichste populäre Werke chinesischer Moderne vor, die in seiner Heimat jeder kennt, hierzulande aber nahezu unbekannt sind.

Viele von ihnen beruhen auf historischen literarischen Vorlagen, wie zum Beispiel das Violinkonzert „Butterfly Lovers“ des Komponisten-Duos Chen Gang und He Zhanhao. Sehr poetisch erzählt es die alte Volkssage einer unglücklichen Liebe, die wie „Romeo und Julia“ tragisch endet. Hier mischen sich nicht nur fernöstliche Klänge mit westeuropäischen Elementen, sondern die Violine wird durch die nur zweisaitige Erhu ersetzt und stellt für den Solisten eine enorme spieltechnische Herausforderung dar.

Ebenfalls zu den chinesischen Highlights gehört der Soundtrack zur Fernsehserie „Der Traum der roten Kammer“, einem Klassiker vergleichbar mit Goethes „Faust“ oder das einsätzige Konzertstück „Chrysantemus Terrace“ für Violoncello und Erhu. Komponiert vom taiwanesischen Rap-Star Jay Chou, symbolisieren die Soloinstrumente eine harmonische Verflechtung zweier Kontinente. Neben den berührend lyrischen Werken lockern kurze, deftige Stücke die Atmosphäre auf. Inspiriert vom ländlichen Leben, beschreiben sie vor allem das enge Verhältnis zwischen Mensch und Tier, wie in den rhythmisch mitreißenden „Galoppierenden Pferde“ von Huang Haihuai.

Was Jiangou Lu vor allem nach Deutschland zog, war ein großer Name: Johann Sebastian Bach. Für ihn bedeutet er schlicht Grenzen sprengende musikalische Universalität. Und so darf Bach natürlich im Programm nicht fehlen. Seinem berühmten „Air“ aus der dritten Orchestersuite verleiht die Darbietung auf der Erhu eine besonders anrührende Note. Weitere europäische Streiflichter sind Alexander Borodins „Steppenskizze aus Mittelasien“ - ein ideales Verbindungsstück sowie Bedřich Smetanas klingendes Nationalbekenntnis "Die Moldau" aus dem Zyklus „Mein Vaterland“.

„EAST MEETS WEST“ 
Impressionen aus Fernost
Do, 13. Juni, 20 Uhr, Kulturhaus Gotha
Fr, 14. Juni. 19.30 Uhr, Landestheater Eisenach

Das Programm: Zhu Jianer - Festival Overture Chen Gang/He Zhanhao - The Butterfly Lovers Concerto for Erhu & Orchster Alexander Borodin - Eine Steppenskizze aus Mittelasien Wu Zuqiang/Du Mingxin - Red Detachment of Women, No. 3 Drill Dance Johann Sebastian Bach/Leopold Stokowski - Air on a G String Xin Huguang - Gada Meilin Solist: Jianguo Lu, Erhu Dirigent: Russell Harris