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Die Thüringen Philharmonie Gotha beeindruckt mit Endres
Von Horst Gröner
Gotha.
(tlz) Es kommt nicht so oft vor, dass Haydn, Mozart und Beethoven
gemeinsam und ausschließlich in einem Sinfoniekonzert der Thüringen
Philharmonie Gotha vertreten sind. Das jüngste Anrechtskonzert der
B-Reihe vereinte aber diese Repräsentanten der Wiener Klassik und ließ
viel stilistisch Verbindendes in den jeweiligen Werken erklingen.
Von
Wolfgang Amadeus Mozart gab es zu Beginn des Abends die Ouvertüre zur
Oper "La Clemenza di Tito" KV 621. Energisch und leichtfüßig zugleich
kam dieses Stück herüber, in dem vor allem die Holzbläser brillieren
konnten. Der zweite Teil des Konzertabends wurde mit der Ouvertüre zu
"Don Giovanni" KV 527 eingeleitet. Die düstere Thematik dieser Oper
spiegelte sich in den Einleitungstakten wider, zwangsläufig entwickelte
sich das Bild der abschließenden Todesszene des Don Giovanni vor dem
inneren Auge, bevor das Orchester zum vor Lebenslust strotzenden
Allegro-Teil überleitete. Chefdirigent Stefanos Tsialis arbeitete
effektvoll diese zwei Seiten heraus und ließ damit die Zuhörer
gleichsam in Kurzform den Kern der Oper miterleben.
Im Konzert
für Klavier und Orchester Nr. 1 C-Dur op. 15 von Ludwig van Beethoven
war als Solist Bernhard Endres zu hören. Mit wirbelnden Fingern
entlockte er im ersten Satz "Allegro con brio" dem Klavier eine Fülle
klangschöner perlender Töne, wozu ihm das sich zurücknehmende Orchester
Raum und Fundament zugleich gab.
Ausnehmend schön gelang das
"Largo" des zweiten Satzes; sensibel wurde hier das vom Klavier
angestimmte eingängige Thema vom Orchester aufgegriffen. Der Dialog des
Klaviers mit der Soloklarinette (Horst Endter) setzte diesem Satz noch
einen besonderen Glanzpunkt auf. Quirlig begann Bernhard Endres den
letzten Satz "Rondo. Allegro". Es war eine Wonne, diesem heiteren
Musizieren von Solist und Orchester zuzuhören. Zu Recht dankte das
Publikum allen Beteiligten mit lebhaftem herzlichen Applaus. Vor
der abschließenden Sinfonie Nr. 104 D-Dur von Josef Haydn wandte sich
Stefanos Tsialis ans Publikum, um eine Lanze für diesen scheinbar
verkannten Komponisten zu brechen. Er stellte ihn in eine Reihe mit
Mozart und Beethoven und betonte – was dann auch unweigerlich zu hören
war – die Gleichwertigkeit seiner symphonischen Kunst zu derjenigen der
beiden anderen.
Spannend und differenziert gestaltete Tsialis
den ersten Satz "Adagio – Allegro". Die einfühlsame Streichereinleitung
des zweiten Satzes "Andante" ging in vielfach variierte Wiederholungen
in vollem Orchesterklang über. Das "Menuetto. Allegro" betonte durch
die eigenwillige Rhythmik im Tänzerischen die herausragende Stellung
dieses dritten Satzes in den Menuett-Kompositionen Haydns.
Furios
und geistreich der Satzbezeichnung "Allegro spiritoso" folgend, setzte
der letzte Satz dieser "Londoner Sinfonie" nicht nur hier, sondern
insgesamt in Haydns sinfonischem Schaffen einen markanten Schlusspunkt.
Alle kompositorischen Facetten kamen noch einmal meisterhaft zur
Geltung, sie wurden ebenso von den Musikern der Thüringen Philharmonie
in eindrucksvoll geschlossener Leistung vorgebracht. Der begeisterte
Schlussbeifall bewies, wie sehr diese Musik Haydns und der Abend
insgesamt beim Publikum angekommen war.
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