Captain Jack Sparrow am Dirigentenpult
"Tierisches Vergnügen" im Konzert
Gotha. Sonntagvormittag im Gothaer Kulturhaus. Im vollbesetzten Parkett warteten gespannt junge Eltern mit ihren Kindern und Großeltern mit den Enkeln auf den Beginn des ersten Familienkonzertes der Thüringen Philharmonie Gotha in dieser Saison. Um "kleine und große Tiere" sollte es gehen, und dieses Versprechen wurde bestens eingehalten.
Intendant Günter Müller-Rogalla verstand es geschickt, in seiner Moderation die unterschiedlichsten Tiere aus den angekündigten Musikstücken in Szene zu setzen, indem er sie in originellen Gestalten aus den verschiedensten Ecken der Bühne hervor zauberte. Unterstützt wurde er bei diesen szenischen Effekten durch die "Mitarbeit" der Musiker (die sich bei Leroy Andersons "Schlittenfahrt" Wollmützen aufsetzten) und vor allem auch des Gastdirigenten Juri Lebedev. Dieser war nicht nur als waschechter "Cowboy" bei John Barrys "Der mit dem Wolf tanzt" zu erleben, sondern später bei der Musik zum "Fluch der Karibik" in prächtigem Kapitänsornat am Dirigentenpult erschienen.
Klassisch begann das Konzert mit zwei Ausschnitten aus Piotr Iljitsch Tschaikowskis Ballet "Schwanensee", in denen man so richtig die kleinen Schwäne tanzen sehen und hören konnte.
Große poetische Musik geboten
Dem tapsigen Pinguin "Mumble" mit der Musik John Powells aus dem Film "Happy Feet" folgte Leroy Andersons "Schlittenfahrt", begleitet von Peitschenknallen und Schellengeläute. Große poetische Musik gab es in der Suite "Der mit dem Wolf tanzt" von John Barry zu hören. Im Ausschnitt aus dem Ballett "Rodeo" von Aaron Copland verwandelte sich die Streichergruppe des Orchesters in wahre "Fiddler" beim typisch amerikanischen Square Dance.
Die singende "Elefantengruppe"
Und Henry Mancinis "Rosaroten Panther" ließ das Orchester gekonnt über die Musikbühne schleichen.
Wie wandlungsfähig die Musiker der Philharmonie sein können, bewiesen sie als Gesangsgruppe beim folgenden "Dschungelbuch", als sie die "Elefantenparade" des Colonel Hathi stimmlich untermalten. Überhaupt, diese wunderbare Musik von Robert und Richard Sherman ließ all die bekannten Figuren wie Mogli, Balu, King Louie oder Kaa vor dem inneren Auge erstehen und kam bei den Zuhörern bestens an.
Im Gegensatz hierzu hörten wohl mancher jüngere Zuhörer mit etwas gemischteren Gefühlen die Musik zu "King Kong" von James Newton Howard. Es blieb aber als glänzender Abschluss dieses Konzertes die einfühlsam erzählende Musik aus "Jurassic Park" von Altmeister John Williams, bei der sich Schlagwerk und Blechbläser noch einmal richtig ins Zeug legen konnten.
Als Zugabe erklang die mitreißend zupackende Musik von Klaus Badelt und Hans Zimmer zum Film "Fluch der Karibik", mit standesgemäß gehisster Seeräuberflagge im Hintergrund. Da gab es für die begeisterten Besucher kein Halten mehr. Stehend applaudierten sie Dirigent, Moderator und Orchester für ein Musikvergnügen, dem der "Hummelflug" von Nikolai Rimski-Korsakow noch das berühmte "i-Tüpfelchen" aufsetzte.
