Energische Romanze: Gothaer Philharmoniker widmeten sich der Welt des Liedes
Gotha. In die intime Welt des Liedes und esterhazyscher Symphonik entführte die Thüringen Philharmonie Gotha unter Leitung Juri Lebedevs beim zweiten Dialoge-Konzert. Neben die "Klassiker" Haydn und Schubert stellte der Klangkörper ein Stück zeitgenössische Musik, das zweite Vorspiel der vierteiligen Auftragskomposition des Erfurter Komponisten Leo Sandner.
Mit breitem, romantischem Klang hob das Werk an und entfaltete eine fabelweltartige Klangsphäre in den Bläsern. Enormen Effekt erzielte die Uraufführung durch farbige Orchestrierung mit großem Perkussionseinsatz und von Metallophonen geprägten Abschnitten. Wellenartige Steigerungen und herbe Einschnitte erzeugten eine spannungsreiche Dramaturgie, die mit schicksalhafter Motivik eine unheilvolle Wendung einschlug.
Leise flehten die Lieder Franz Schuberts in der Orchesterfassung Felix Mottls aus dem Munde Hanna-Elisabeth Müllers. "Auf den Flügeln des Gesanges" trug der Klangkörper die 26-jährige Sopranistin mit großer Feinheit bei lieblichen Ständchen, betörenden Wiegenliedern und anmutigen Lautengesängen.
Betörende Violinen
Mit zarten Piani, geschmeidigem Wohlklang und großem Atem brillierte das junge Talent in "süßen Klagen". Sowohl schlanke Leichtigkeit als auch dramatische Kraft vereint Müller in ihrer Stimme. In "Die Rose" entfaltete sie mit gekonnter Textausdeutung die Reize des "kurzen jungen Lebens" und versprühte "Liebeshauch" in "Suleikas erstem Gesang".
Haydns Sinfonie Nr. 49 mit dem Beinamen "La Passione" eröffnete mit einem gehaltvollen Adagio, dessen sehnsuchtsvoller Violingesang betörte. Maestro Lebedev gelangen große Spannungsbögen und ein differenziertes Klangbild in der Verbindung von oberstimmenlastigem Satz und Bassfundament. Die barocken Züge des Werkes mit Gegenbewegungen und Imitationen arbeitete er im energischen Allegro heraus und stellte im Menuett die Schwere des Schreittanzes hervor. Treibende Kraft durchzog das Finale, das motivisch durch umtriebige Eile geprägt ist.
