Von den Profis lernen
Musiker der Thüringen Philharmonie Gotha besuchen hiesige Schulen
Gotha. Es war wieder einmal so weit, dass sich eine Woche lang Musiker der Thüringen Philharmonie Gotha auf den Weg zu Schulen in Stadt und Landkreis Gotha aufmachten. In bewährter Weise kamen insgesamt 23 Schülergruppen mit weit über 700 Schülern zusammen, um hautnah Instrumente und Musik zu erleben.
Mit den Schulbesuchen erfüllt die Thüringen Philharmonie Gotha einen Teil ihres Auftrages, Unterstützung bei der musikalischen Erziehung und Förderung in Kindergärten und Schulen zu leisten. Der andere Teil besteht bekanntlich in den regelmäßigen Kinder- und Jugendkonzerten, die jetzt auch noch um die Familienkonzerte ergänzt und im Laufe des Jahres von mehreren tausend begeisterten jungen Besuchern genutzt werden.
Begonnen hatte die Woche mit zwei Workshops, die ausnahmsweise im Probensaal der Philharmonie im Lindenhof stattfanden. Die Schlagzeuger des Orchesters, Binh Ngo und Gunnar Pfeiffer, hatten eingeladen, auf Instrumenten zu spielen, die sie hätten niemals in einen Klassenraum mitbringen können.
Die fünften Klassen der Kooperativen Gesamtschule "Herzog Ernst" aus Gotha lauschten gebannt den beiden Musikern, als sie Solostücke darbrachten wie das "Carousel" für Marimbaphon und Vibraphon von David Friedman.
Am meisten Spaß hatten die Schüler aber immer beim eigenen Ausprobieren der Instrumente. Alles mündete schließlich in ein "Meer von Geräuschen".
Neben Kindergärten und Grundschulen in Gotha besuchte das Blechbläserquintett die Grundschule "Geschwister Scholl" in Dachwig. Schon beim ersten Stück, das die Bläser vorspielten, war ein animiertes Mitdirigieren der Kinder aus der ersten Klasse zu beobachten.
Beim Kinderlieder-Potpourri ging es darum, die einzelnen Stücke zu erraten, so wie später auch bei "Biene Maja" und "Wickie", wo sofort wieder viele Finger aufzeigten. Thomas Spindler führte die Kinder in die Welt des Hornes ein, vom ursprünglichen Tierhorn über das Jagdhorn bis hin zum Nebelhorn, das einer der Schüler tatsächlich von seinem seefahrenden Vater her kannte.
Andreas Umbreit erläuterte an seiner Posaune die andere Art der Entstehung von Tönen im Gegensatz zu seinen Ventilklappen drückenden Musikerkollegen. Eindrucksvoll kam auch anhand eines ausgerollten Gartenschlauches herüber, wie die Tonhöhe der einzelnen Instrumente von der Länge ihrer jeweiligen Röhren abhängt.
Die Holzbläser der Thüringen Philharmonie kamen zusammen mit Matthias Standke (Horn) als Quintett in die Außenstelle Warza der Grundschule Goldbach, wo sie von Cornelia Wolf, einer der Musiklehrerinnen, erwartet wurden. Nach der Eröffnung mit einer Intrade des ungarischen Komponisten Ferenc Farkas brachten sie den Dritt- und Viertklässlern eine farbenreiche Instrumentenkunde, die auch hier von den Kindern angeregt mitverfolgt wurde.
Der Clou an ihrer Präsentation war der rote Faden, den sie in wichtigen handelnden Figuren des Stückes "Peter und der Wolf" von Sergej Prokofjew fanden. Nacheinander kamen mit den jeweiligen musikalischen Motiven Flöte ("Vogel"), Oboe ("Ente"), Klarinette ("Katze"), Fagott ("Großvater") und Horn ("Wolf") ins Spiel; gekonnt demonstrierten die Musiker daran Bauart der Instrumente, Tonhöhen und Klangfarben.
Henry Mancinis Musik zum "Rosaroten Panther" setzte den Schlusspunkt der Stunde. Horst Endter lud die Kinder ein, mit Zungenschnalzen und Fingerschnipsen den Rhythmus unter die Musik zu legen, was ihnen auch bestens gelang und offenbar ebenfalls viel Freude bereitete.
In und um Gotha unterwegs war das Streicherduo Christfried Münzel (Violine) und Petya Valchanova Teneva (Viola). Während sie an der Grundschule Emsetal den Kindern Autogramme auf Arme und Aufkleber schreiben mussten, waren sie von der intensiven musikalischen Arbeit an der evangelischen Grundschule in besonderer Weise überrascht. Schulleiterin Susanne Fiedler konnte stolz sein auf die vielen fachkundigen Antworten, die ihre Schüler den Musikern gaben.
Ob es um die Zusammensetzung eines Orchesters ging, die Stimmung von Violine und Bratsche, die Entstehung von Tönen auf Streichinstrumenten oder den unterschiedlichen Charakter von Musik durch andere Stricharten, immer waren die Kinder voller Begeisterung und Engagement bei der Sache.
Anhand von Musikbeispielen erläuterten die beiden Musiker, was sonst nur trockene Theorie gewesen wäre. Giovanni Giacomo Gastoldi, Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart ließen sie genauso erklingen wie die Pippi-Langstrumpf-Melodie, Country-Klänge oder die Eurovisionshymne nach Marc-Antoine Charpentier.
Susanne Fiedler brachte es auf den Punkt, als sie sich am Ende für diesen anschaulichen Unterricht - ohne jegliche Kosten für die Schule - bedankte. Denn darum ging es ja wieder bei allen Auftritten: Profis der Thüringen Philharmonie brachten ihr Wissen und Können hautnah zu den Kindern, um ihnen auf ihre Weise diese Art von Musik schmackhaft zu machen.
