Einen tiefen Blick in die russische Seele getan

Gothaer Tagespost
Samstag, 11. Februar 2012
Autor: 
Horst Gröner
Artikelbezug: 
Konzert A6 am 9. Februar 2012

Schostakowitsch-Werke im Mittelpunkt des Konzertes der Thüringen Philharmonie - Schwabe glänzte erneut am Cello

Gotha. Im Zentrum des jüngsten Anrechtskonzertes der Thüringen Philharmonie Gotha stand das Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 g-Moll op. 126 von Dmitri Schostakowitsch. Wie bereits im Jahr 2010 mit dem ersten Cellokonzert von Schostakowitsch war auch jetzt wieder der junge Gabriel Schwabe als Solist zu erleben. Den glänzenden Eindruck, den er damals hinterließ, bestätigte er auch dieses Mal mit einer faszinierenden künstlerischen Leistung.

Nicht nur, dass in diesem Werk das Soloinstrument fast ständig gefragt war, dieses Konzertstück schöpfte vor allem beim Soloinstrument aus der Gegensätzlichkeit von melodiösen und atonalen Passagen.

So gab es im ersten Satz "Largo" einen Dialog mit den tiefen Streichern, bei dem das Cello konsequent sein Thema durchzog. Oder hier auch wie ein trotziges Aufbäumen der Widerspruch zum Xylophon (Gunnar Pfeiffer), zu den Staccati des Orchesters oder die Schläge der großen Trommel.

Im tänzerischen "Allegretto" des zweiten Satzes wurden die wild bewegten Figuren des Cello vom Orchester eindrucksvoll untermalt. Nach einem kurzen Interludium von Hörnern und kleiner Trommel übernahm wieder das Cello die Führung, mit einem elegischen Übergang zur Apokalypse des dritten Satzes "Allegretto", der in einem versunkenen, fast schon skurril wirkenden Ende mündete.

Dieses Konzert schuf Schostakowitsch in enger Kooperation mit dem befreundeten Cellisten Mstislaw Rostropowitsch, dies macht die Dominanz des Soloinstrumentes verständlich. Doch was an diesem Stück vom Publikum mindestens ebenso begeistert aufgenommen wurde, war die äußerst präzise Abstimmung des Orchesters unter der Leitung seines Chefdirigenten Stefanos Tsialis in den teils wahnwitzigen Dialogen mit dem Solisten. Diese Seelenausbrüche mitzuerleben, war eine Klasse für sich.

Eingangs spielte das Orchester die Ouvertüre zur Oper "Die Mainacht" von Nicolai Rimski-Korsakow. Auch dieses Werk spiegelte von der stimmungsvollen Einleitung und dem aufgeregt erzählenden Mittelteil bis hin zum dramatischen Finale die Vielfalt innerer Gemütszustände wider.

Pjotr Iljitsch Tschaikowski komponierte seine Sinfonie Nr. 2 c-Moll op. 17 während eines Aufenthaltes in der Ukraine, die damals als "Kleinrussland" bezeichnet wurde und so dieser Sinfonie ihren Beinamen "Kleinrussische" gab.

Eine Fülle russischer Themen und Volkslieder zog sich durch diese viersätzige Sinfonie, bei der schon am Beginn des ersten Satzes vom Horn (Matthias Standke) das "Wolgalied" klangschön als Thema vorgetragen wurde.

Außergewöhnlich waren im zweiten Satz die Einsätze der Pauke (Binh Ngo) zu Beginn und am Ende. Selten waren jemals solche verschwebende, wie in der Ferne entstandene Töne zu hören, einfach großartig. Über den wild bewegten dritten Satz führte Tsialis die Musiker in das mächtige Finale hinein.

Mit lang anhaltendem Applaus bedankten sich die Zuhörer für diesen Konzertabend mit dem tiefen Blick in die russische Seele.