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Schwungvolles Neujahrskonzert - rhein-main.net - nachrichten, 11.01.2010

Mit Walzer, Operetten- und Opernmelodien ins neue Jahr

Ein Hauch vom Goldenen Saal des Wiener Musikvereins verbreitete sich in der Stadthalle, als die Thüringen Philharmonie aus Gotha den "Radetzkymarsch" anstimmte. Das begeisterte Publikum bewies, dass es den Wiener Zuhörern in Leidenschaft und Taktgefühl nur wenig nachsteht.

Montabaur. Unter einem Perpetuum Mobile versteht man eine nicht realisierbare Konstruktion, die sich dauerhaft ohne fremde Energie bewegt. In der Musik existiert ein Perpetuum Mobile jedoch durchaus, nämlich als Instrumentalstück wie etwa die "Schnellpolka" von Johann Strauß, zu der die Thüringen Philharmonie sehr zackig aufspielte. "Ein musikalischer Scherz" lautet der Untertitel dieser Komposition, was sich auf die Endlosschleife der Begleitmelodie bezieht. Langweilig ist das allerdings nicht, wie das aus Gotha angereiste Orchester unter der Leitung von Hermann Breuer zeigte. Jedes Register wirbelt sich hier in den Vordergrund, und so erfährt endlich auch einmal die Triangel einen respektablen Einsatz.

Überhaupt hatte dieses kleine Ensemble aus Thüringen bei seinem Neujahrskonzert in der Mons-Tabor-Halle viel Spielwitz und Humor mitgebracht. Vielleicht braucht ein Orchester das auch, wenn es zwar auf eine 350-jährige Tradition zurückblicken kann, aber in Montabaur nur als ein recht übersichtliches Ensemble auftrat. Sehr angenehm war dabei nicht nur das souveräne Dirigat von Hermann Breuer, sondern auch dessen muntere Moderation des Programms.

Die unterschiedlichsten Liebes- und Lebenslagen der Opern- und Operettenwelt eröffneten sich da dem Publikum, und das war begeistert von den Ouvertüren aus Mozarts "Cosi fan Tutte" und der "Fledermaus" von Johann Strauß und natürlich dem für Romantiker unverzichtbaren "Hochzeitsmarsch" von Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Mit wundervoll zartem, glasklarem Spiel präsentierte sich auch die Harfenistin des Orchesters in Tschaikowskys "Nussknacker", einer traditionellen Weihnachtsmusik, die ihren Reiz aber auch zum Jahresanfang nicht verliert. Diese Romantik liegt der Thüringen Philharmonie auch gemeinsam mit der sympathischen Sopranistin Miriam Sharon, die über eine beeindruckende Ausdruckskraft verfügt. Rührend sang sie Eduard Könneckes "Strahlender Mond" und "Du sollst der Kaiser meiner Seele sein" von Robert Stolz.

Dabei hatte die Sängerin auch beträchtliches Feuer zu bieten, etwa bei Franz Lehárs "Meine Lippen, sie küssen so heiß" und erst recht bei "I could have danced all night" aus dem Musical "My Fair Lady". Mit lang anhaltendem Applaus wurde dieses musikalische Temperament belohnt.

Und weil das Publikum sich ohnehin so bereitwillig den Schmankerln aus Oper und Operette hingab, band Orchesterleiter Hermann Breuer die Besucher gleich ein in eine freilich gewagte Interpretation des "Berliner Sportpalast-Walzers". Diese Komposition von Siegfried Translateur ist von keinem "Sechs-Tage-Rennen" in Berlin wegzudenken und auch in Montabaur gut bekannt: Da wurde fast exakt den Einsätzen des Dirigenten folgend mehrstimmig gepfiffen, und alle in der Stadthalle hatten ihren Spaß.

Ebenfalls im Walzerschritt beschloss die Thüringen Philharmonie ihr Konzert. Ganz in der Tradition der Wiener Philharmoniker riefen die Musiker ein fröhliches "Prosit Neujahr" ins Publikum und spielten den "Donauwalzer" von Johann Strauß und zum Abschluss den schmissigen und von stürmischen Klatscheinsätzen des Publikums begleiteten "Radetzkymarsch".

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