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Konzertkalender

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Schwarz mit berührender Alt-Stimme - Gothaer Tagespost, 16.01.2010

Anrechtskonzert der Thüringen Philharmonie mit Gastdirigent Frank Zacher in der Kreisstadt

Von Horst Gröner

Gotha. (tlz) Wie atemlos lauschte das Publikum den ersten Klängen von Richard Wagners Vorspiel zu seiner Oper "Tristan und Isolde". Aus dem zartesten Cello-Einsatz entwickelte sich das sehnsüchtige Hoffen und Bangen mit all den musikalischen Steigerungen, die in solchen Gefühlen mit enthalten sind. Nahtlos ging diese Vorahnung in den Schlussgesang der Oper über, wo auch hier, in breiten Bögen aufschwingend, das Thema ewiger Liebe und Verklärung zu spüren war.

Großartig, wie bereits hier die hoch motivierte Thüringen Philharmonie der Leidenschaft der Musik folgte. Gastdirigent Frank Zacher vom Preußischen Kammerorchester Prenzlau, der kurzfristig für den erkrankten Chefdirigenten Stefanos Tsialis eingesprungen war, führte die Musiker sicher durch das in den Eckpunkten geänderte Programm, das von den begeisterten Zuhörern stürmisch beklatscht wurde.

Am Ende des Konzerts war somit die Sinfonie Nr. 4 f-moll op. 36 von Pjotr Iljitsch Tschaikowski zu hören. Dieses Werk, seiner Gönnerin Nadjeschda von Meck gewidmet, sollte nach Tschaikowskis eigenen brieflichen Aussagen Frau von Meck gegenüber all seine Erinnerungen an die Leidenschaftlichkeit und Trübseligkeit seiner Empfindungen und Erfahrungen in seiner kurzen Ehe widerspiegeln.

Der erste Satz "Andante sostenuto - Moderato con anima" schilderte nach dem fanfarenartigen Trompeten- und Hörnereinsatz mit dem vollen Orchester das Hin und Her zwischen rauer Wirklichkeit und dem Träumen von Freude. Im zweiten Satz "Andante in modo di canzona" kam erneut dieses Wechselbad von Niedergeschlagenheit und glücklichen Erinnerungen zum Ausdruck.

Das "Scherzo (Pizzicato ostinato). Allegro” des dritten Satzes bestand aus launischen Arabesken, flüchtigen Bildern, die die Fantasie durchstreifen, um bei Tschaikowskis eigenen Worten zu bleiben. Schließlich ging es im vierten Satz "Finale. Allegro con fuoco" um die Freude der Menschen, an der teilzuhaben sich lohnt. Grandios brachte das Orchester mit Leidenschaft und von Frank Zacher angefeuert diese neu gefundene Lebenslust im furiosen Schluss der Sinfonie herüber.

Höhepunkt des Abends waren aber die unverändert im Programm verbliebenen "Kindertotenlieder" von Gustav Mahler, nach Gedichten von Friedrich Rückert. Die Textzeile "Du musst nicht die Nacht in dir verschränken" aus dem ersten Gedicht gab diesem Konzertabend auch sein Leitmotiv, eine Erinnerung an unbeständige Gefühle im Leben wie Trauer und Zuversicht, bei Mahler durch den beständigen Wechsel von Dur und Moll gekennzeichnet.

Britta Schwarz aus Dresden gelang eine ungeheuerlich berührende Wiedergabe dieser fünf Lieder. Die Texte mögen ja nicht nach Jedermanns "Geschmack" gewesen sein - wer hört schön gerne solch traurige Worte über den Tod der eigenen Kinder. Aber wie diese großartige  Sängerin mit ihrer eindringlichen Alt-Stimme und langem ruhigem Atem stets textverständlich diese Gedichte gestaltete, mit sonorer Tiefe und ausdrucksstarker Höhe, das war einzigartig. Wunderbar dazu die typischen Mahler-Klänge im erstklassig aufspielenden Orchester, die diese Lieder und diesen Abend zu einem unvergesslichen Musikerlebnis werden ließen.