| Trauer und Ergriffenheit - Freies Wort Suhl, 16.01.2010 |
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Konzert - Mahler stand auf dem Programm Von Renate Parschau "Um Gottes willen, du malst den Teufel an die Wand", will Alma Mahler ihrem Mann entsetzt gesagt haben, als dieser fünf Kindertotenlieder von Friedrich Rückert vertonte. Dem waren gerade zwei seiner sechs Kinder an Scharlach gestorben, als er 1834 die stattliche Zahl von 428 "Kindertotenliedern" schrieb. Als Mahler zwischen 1901 und 1904 komponierte, freuten sich seine eigenen Kinder noch bester Gesundheit - bittere Ironie des Schicksal: 1907 starb Tochter Maria Anna an eben jener Krankheit. Mahlers Kompositionen standen am Donnerstag auf dem Programm des fünften Anrechtskonzertes der Thüringen Philharmonie im Gothaer Kulturhaus. Schlichter Volkston verbinden sich bei Mahler mit intimstem Ausdruck, leidenschaftlicher und emphatischer Trauer. Schön, dass der durch die kurzfristige Erkrankung von Chefdirigent Stefanos Tsialis notwendig gewordenen Programmänderung nicht jenes wunderbare Werk zum Opfer fiel, von dem der Komponist selbst behauptete, die Welt tue ihm leid, die sie einmal hören müsse, so traurig sei ihr Inhalt. Während das Orchester hier der kammermusikalischen Anlage des Werkes - besonders in seinen transparenten Bläserpassagen - bestens Rechnung trug, traf Solistin Britta Schwarz mit ihrem dunkel gefärbten Alt den ausdrucksstarken Ton. Da war Wort für Wort und Ton für Ton tiefe Trauer und Ergriffenheit. Und schwacher Trost, wenn es etwa heißt, "Der Tag ist schön auf jenen Höh’n" oder dass die Kinder, die man gerade aus dem Haus trug, nun "ruh’n, als wie in der Mutter Haus". So eindringlich in der Textdeklamation hört man das nur selten. Frank Zacher, Chefdirigent des Preußischen Kammerorchesters Prenzlau, war kurzfristig eingesprungen und hatte statt Bruckners "Nullter" Tschaikowskis 4. Sinfonie als Abschluss gewählt - das Gegenstück zu Beethovens Fünfter. Schicksalhaft leiten mächtige Fanfarenklänge das Andante sostenuto ein, das, so der Komponist selbst, bereits den Keim der ganzen Sinfonie enthält. Heftige Auseinandersetzungen treiben das musikalische Geschehen voran, das im zweiten Satz einem liedhaften Oboensolo weicht. Aber neben den zahlreichen wunderbaren Bläserpassagen ist in diesem Stück vor allem der Streicherfluss und -fleiß unüberhörbar und unverkennbar. Zacher hat es geschafft, die Streicher zu homogenem engagiertem Spiel zu inspirieren. Das war nicht nur längst einmal fällig sondern vor allem ein Genuss. Eingangs gab es Vorspiel und Liebestod aus Wagners "Tristan und Isolde" Wagner - ein Klangrausch? |