| Eigentlich ist die Bratsche kein Schlaginstrument - Gothaer Allgemeine, 22.01.2010 |
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Thüringen Philharmonie gab zwei Kinderkonzerte im Gothaer Kulturhaus / Patrick Rohbeck moderierte Prokofjews "Peter und der Wolf" In zwei Konzerten hat die Thüringen Philharmonie gestern Vormittag Kindergartenkinder und Grundschüler mit Sergej Prokofjews musikalischem Märchen "Peter und der Wolf" bekannt gemacht. Gotha. Ein Stück unterhaltsamer Instrumentenkunde - einst war es im Musikunterricht der Schulen hierzulande Pflichtstoff. Gestern waren zuerst die ganz Kleinen dran - mehrere Hundert mit ihren Erzieherinnen füllten das Parkett und einen Teil des Rangs im Kulturhaus. Als Moderator hatte die Philharmonie Patrick Rohbeck gewonnen. Der auch bekannte Bariton hat eine kabarettistische Ader, ist mehrfach als Regisseur in Erscheinung getreten und dürfte manchem auch als Sänger des Weimarer Salonorchesters "Franz’L" aufgefallen sein. Der richtige Mann also, um einen Sack voller Flöhe bei Laune zu halten. Das war schwer genug, aber nicht überraschend. Generell ist es fast unmöglich, Kinder dieses Alters als Gruppe anzusprechen. Außerdem ist konzentriertes Hören eine Frage der Übung. Und der Fernseher, der in vielen Familien ständig läuft, beklagt sich bekanntlich nicht, wenn ihm niemand zuhört. So gesehen, trug das Konzert trotz aller Unruhe die Saat des Erfolgs in sich. Rohbeck also überlistete die Kleinen immer wieder neu mit Scherzen, mit ernsthaften Erklärungen - und mit der Schönheit der Musik Prokofjews. In den ersten zwanzig Minuten erklärte er die Instrumente, und die Philharmoniker unter ihrem Chefdirigenten Stefanos Tsialis demonstrierten, wie sie klingen. Also, um das mal klarzustellen: Die Bratsche zählt nicht zu den Schlaginstrumenten, obwohl, man könnte ja mal ... Und die Oboe und die Klarinette sehen zwar auf den ersten Blick ähnlich aus, aber die Mundstücke sind anders. (...) Wer einen solchen Schwarm kleiner Unruhegeister für Musik begeistern will, der muss ihre Aufmerksamkeit jede Minute neu erkämpfen. Und Rohbeck gelang das ziemlich gut, das zeigten die Reaktionen aus dem Saal. Als er nach dem "großen Tier" fragte, das nun noch fehle, ließ der vielstimmige Ruf "Der Wooolf!" die Wände erzittern. Und als der Schlussmarsch erklang, musste niemand die Kleinen auffordern zu klatschen - das stellte sich automatisch ein. Hat’s also was gebracht? Ganz bestimmt. Ob diese Dosis Musikerlebnis allerdings ausreichen wird, um künftiges Interesse für gute Musik zu wecken, das wird auch davon abhängen, ob viele ähnliche Erlebnisse schließlich die "kritische Menge" überschreiten, die das Musikbedürfnis unumkehrbar werden lässt. Zumindest gab’s auf die Fragen zum Schluss "Hat’s euch gefallen?" und "Kommt ihr wieder ins Konzert?" jeweils ein donnerndes Echo: "Jaaa!" Dieter Albrecht |