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Makellos elegant - Gothaer Allgemeine, 05.02.2010

Kurzweiliges Sinfoniekonzert in der Margarethenkirche: Freudiger Dialog der Stilepochen

Mit dem zweiten Konzert auf ebenso hohem künstlerischen Niveau wie das erste setzte die Thüringen Philharmonie ihre neue Konzertreihe D ("Dialoge") am Mittwochabend in der Margarethenkirche fort.

Von Dieter Albrecht

GOTHA. Ein perfekter Gegensatz: Hatte das erste Konzert mit einem hohen Potenzial an Melancholie nachdrücklich an die Endlichkeit menschlicher Existenz erinnert, ging es diesmal vor allem ausgelassen, fröhlich, jubilierend zu.

Zu Beginn gab’s Renaissancemusik. Nicht hundertprozentig original, aber in einer wunderschönen Bearbeitung von Peter Warlock alias Philip A. Heseltine. Gerade im 20. Jahrhundert, einer Zeit der radikalsten stilistischen Umbrüche, schien es immer wieder Musikern verlockend, sich in historischem Stil zu versuchen. Strawinski mit seiner höchst originellen Pulcinella-Suite auf Motive von Pergolesi ist dafür eines der bekanntesten Beispiele.

Warlock allerdings geht in seiner "Capriol Suite" nicht so weit wie der Russe, der seinen Pergolesi gewissermaßen einschmolz, um einen Strawinski daraus zu formen. Sieht man davon ab, dass aus der zarten Laute und den anderen einst zur Tanzmusik verwendeten Instrumenten ein vollständiges Streichorchester geworden ist, sind es nur hier und da einige harmonische Wendungen, die das Original kaum merklich verfremden - was natürlich für den aufmerksamen Hörer einen besonderen Reiz darstellt. Erst im letzten Tanzsatz, dem sechsten, haut Warlock dem Hörer die Dissonanzen dermaßen um die Ohren, dass der sich verwundert die Augen reibt.

Ein wunderschönes Werkchen, dass es verdient hat, gekannt zu werden. Die Musiker unter ihrem Chefdirigenten Stefanos Tsialis scheinen es jedenfalls zu mögen, denn liebevoll arbeiteten sie die vielen schönen Details heraus. Dass am Ende des 3. Satzes ("Tordion") das im Pianissimo ersterbende Pizzikato im Geräusch des Heizungsgebläses unterging, dafür konnten sie ja nichts. Und ebensowenig für den doch manchmal etwas störenden kräftigen Nachhall, wie er für historische Kirchen nun mal typisch ist.

Im Mittelpunkt stand, entsprechend der ausgefallenen Konzeption dieser Konzertreihe, wieder eine Solokantate Johann Sebastian Bachs: "Jauchzet Gott in allen Landen", BWV 51. Die Sopranistin Monika Mauch legte die zahlreichen schwierigen Koloraturen in einer Leichtigkeit hin, die einen vergessen ließ, welch enormes technisches Können dazu notwendig ist. Umso mehr ließ ihr genau das den Freiraum, das Werk musikalisch einfühlsam zu gestalten. Wie sie hohe Präzision mit deklamatorisch-Dynamischer Differenzierung verband, das setzte starke Emotionen frei.

Das äußerst sparsam eingesetzte Vibrato auf wenigen ausgesuchten Ruhetönen geriet gerade wegen seiner Seltenheit umso effektvoller. Da wunderte man sich nicht über das Trampeln, das den Beifall begleitete.
Übrigens war für den erkrankten Gothaer Solotrompeter Maik Vent ein Mitglied der Staatskapelle Weimar eingesprungen: Zsolt Nagy-Major, der der Sängerin ein ebenbürtiger Duettpartner war.

Zum Schluss erklang Charles Gounods hierzulande nur selten zu hörende 1. Sinfonie - ein weitgehend klassizistisches Werk aus der Feder eines Romantikers. Sinnlich und geistreich, immer auf weichen und vollen Klang aus, die Melodik oft angelehnt an französische Volksliedintonationen, manchmal pathetisch, oft auf unterhaltsame Prachtentfaltung bedacht, ist es meilenweit entfernt von Beethoven’schen Titanenkämpfen. Man erinnert sich eines Zitats von Camille Saint-Saëns, der Gounods Musik "makellose Eleganz" bescheinigte. Stefanos Tsialis und seinen Musikern wiederum darf man bescheinigen, dass sie genau den Nerv dieser Musik getroffen haben.