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Virtuoser Klassikabend - Thüringische Landeszeitung, 06.03.2010

Thüringen Philharmonie mit Mozart, Haydn, Beethoven

Von Julia Stadter

Gotha. (tlz) Unter dem Titel "Mozarts Geist aus Haydns Händen" erweckte die Thüringen Philharmonie Gotha die Komponisten-Trias der Epoche, und bereitete dabei nicht nur bemerkenswert musikalisches, sondern auch geistiges Vergnügen in einer durchdachten Auseinandersetzung mit der Sonatenhauptsatzform.  Mit majestätischen Anfangsakkorden erklang Mozarts Ouvertüre "La clemenza di Tito", deren stringente Skalengänge den prunkvollen Ton der höfischen Festoper unterstrichen.

Eine der Glanzleistungen des Abends begann mit dem Auftritt des Pianisten Bernhard Endres, der Beethovens 1. Klavierkonzert mit spielerischer Leichtigkeit in einer en detail durchdachten wie musikalisch inspirierten Interpretation erlebbar machte. Schon das Orchester gestaltete mit warmem Melodiesinn und treibender Dynamik eine Orchesterexposition, die aufhorchen ließ. Des Pianisten rhythmische Akkuratesse, sein Gestaltungsreichtum bis ins kleinste Motiv und der federleichte Umgang mit den technischen Ansprüchen des Virtuosenkonzerts ermöglichten ein Zusammenspiel mit dem von Stefanos Tsialis dirigierten Orchester, das organischer nicht hätte sein können. Wahre Andachtsmomente schuf Endres im Andante mit feinster Anschlagsnuancierung; in aufgewecktem Tempo gestaltete er ein sprühendes Finale.

Mit schicksalsvoll vorausdeutenden Violinklängen entstand dann die düster-dämonische Stimmung der Ouvertüre zu Mozarts "Don Giovanni", die im Verlauf die stürmischen Eigenschaften des Titelhelden auftat. Gegen "Papa-Haydn-Klischees" anspielend, gestaltete Maestro Tsialis eine "Londoner", die ihresgleichen sucht. Er reichte das Klopfmotiv, den Motor des Klopfsatzes, durch die Register und spannte einen großen Bogen über jeden Satz. Wie vom gleichen Atem getragen, spielten die Musiker in schönster Phrasierung Andante wie Menuett, und arbeiteten im Schlusssatz große Dramatik aufbauend die Phrasenhöhepunkte heraus. Der über das ganze Gesicht strahlende Dirigent schien nach dieser Sternstunde selbst überwältigt von der grandiosen Leistung seiner Musiker.