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Wiener Dreigestirn in einem Konzert - Gothaer Tagespost, 06.03.2010

Die Thüringen Philharmonie Gotha beeindruckt mit Endres  

Von Horst Gröner         

Gotha. (tlz) Es kommt nicht so oft vor, dass Haydn, Mozart und Beethoven gemeinsam und ausschließlich  in einem Sinfoniekonzert der Thüringen Philharmonie Gotha vertreten sind. Das jüngste Anrechtskonzert der B-Reihe vereinte aber diese Repräsentanten der Wiener Klassik und ließ viel stilistisch Verbindendes in den jeweiligen Werken erklingen.

Von Wolfgang Amadeus Mozart gab es zu Beginn des Abends die Ouvertüre zur Oper "La Clemenza di Tito" KV 621. Energisch und leichtfüßig zugleich kam dieses Stück herüber, in dem vor allem die Holzbläser brillieren konnten. Der zweite Teil des Konzertabends wurde mit der Ouvertüre zu "Don Giovanni" KV 527 eingeleitet. Die düstere Thematik dieser Oper spiegelte sich in den Einleitungstakten wider, zwangsläufig entwickelte sich das Bild der abschließenden Todesszene des Don Giovanni vor dem inneren Auge, bevor das Orchester zum vor Lebenslust strotzenden Allegro-Teil überleitete. Chefdirigent Stefanos Tsialis arbeitete effektvoll diese zwei Seiten heraus und ließ damit die Zuhörer gleichsam in Kurzform den Kern der Oper miterleben.

Im Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 C-Dur op. 15 von Ludwig van Beethoven war als Solist Bernhard Endres zu hören. Mit wirbelnden Fingern entlockte er im ersten Satz "Allegro con brio" dem Klavier eine Fülle klangschöner perlender Töne, wozu ihm das sich zurücknehmende Orchester Raum und Fundament zugleich gab.

Ausnehmend schön gelang das "Largo" des zweiten Satzes; sensibel wurde hier das vom Klavier angestimmte eingängige Thema vom Orchester aufgegriffen. Der Dialog des Klaviers mit der Soloklarinette (Horst Endter) setzte diesem Satz noch einen besonderen Glanzpunkt auf. Quirlig begann Bernhard Endres den letzten Satz "Rondo. Allegro". Es war eine Wonne, diesem heiteren Musizieren von Solist und Orchester zuzuhören. Zu Recht dankte das Publikum allen Beteiligten mit lebhaftem herzlichen Applaus.    
 
Vor der abschließenden Sinfonie Nr. 104 D-Dur von Josef Haydn wandte sich Stefanos Tsialis ans Publikum, um eine Lanze für diesen scheinbar verkannten Komponisten zu brechen. Er stellte ihn in eine Reihe mit Mozart und Beethoven und betonte – was dann auch unweigerlich zu hören war – die Gleichwertigkeit seiner symphonischen Kunst zu derjenigen der beiden anderen.

Spannend und differenziert gestaltete Tsialis den ersten Satz "Adagio – Allegro". Die einfühlsame Streichereinleitung des zweiten Satzes "Andante" ging in vielfach variierte Wiederholungen in vollem Orchesterklang über. Das "Menuetto. Allegro" betonte durch die eigenwillige Rhythmik im Tänzerischen die herausragende Stellung dieses dritten Satzes in den Menuett-Kompositionen Haydns.

Furios und geistreich der Satzbezeichnung "Allegro spiritoso" folgend, setzte der letzte Satz dieser "Londoner Sinfonie" nicht nur hier, sondern insgesamt in Haydns sinfonischem Schaffen einen markanten Schlusspunkt. Alle kompositorischen Facetten kamen noch einmal meisterhaft zur Geltung, sie wurden ebenso von den Musikern der Thüringen Philharmonie in eindrucksvoll geschlossener Leistung vorgebracht. Der begeisterte Schlussbeifall bewies, wie sehr diese Musik Haydns und der Abend insgesamt beim Publikum angekommen war.