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Gothaer luden in den "Orient-Express"
Von Julia Stadter
Gotha. "Werte Fahrgäste", begrüßte Reiseleiter Christian Ludwig das Publikum der Thüringen Philharmonie Gotha und beglückwünschte es, eines der teuren Tickets für den "Orient-Express" ergattert zu haben. Mit Zugführer Stefanos Tsialis und dem Klangkörper hatte der Luxuszug gerade zu Offenbachschen Cancan-Klängen den Pariser Gare de l’Est verlassen und begab sich nun auf die 69 Stunden lange Reise nach Konstantinopel. Zur "musikalischen Unterhaltung an Bord" war die Violinistin Sophia Jaffé mitgereist, die ihrem Instrument in Saint-Saëns "Introduktion und Rondo capriccioso" leidenschaftlich singende Töne entlockte.
Fast klezmerhaft herausfordernd meisterte sie auch die imponierenden technischen Anforderungen des Rondos voll spielerischer Leichtigkeit. Wattebauschig-weich reichte Tsialis den "Sirenenzauber" des Elsässers Waldteufel zum Flammkuchen an der deutsch-französischen Grenze, bevor es volkstümlich – und sicherlich schneller als die knapp 30 Stundenkilometer Fahrtgeschwindigkeit des Orient-Expresses – mit Eduard Strauß' "Bahn frei" weiter in Richtung der süddeutschen Großstädte ging. Obwohl die Thüringen Philharmonie an diesem Abend eher leichte und technisch relativ einfache Unterhaltung bot, ging Tsialis mit größtem Ernst an die bekannten Werke: Sein belebtes und spannungsreiches Dirigat kreierte reizende Stimmungen und arbeitete jede noch so kleine Nebenstimme oder Bassbewegung heraus, was dem Publikum ein niveauvolles Hörerlebnis bescherte.
So unterstrich er den theatralischen Aufbau von Léhars "Gold und Silber" und gestaltete effektvoll reminiszenzartige Teile. Mit der "Leichten Kavallerie" in Ungarn angekommen, trat noch einmal Jaffé mit einer intensiv-feurigen Interpretation von de Sarasates "Zigeunerweisen" auf, die sie mit bannender Wirkung und größtem Phrasierungsreichtum gestaltete. Mit den "Donauwellen" lief der Zug schließlich am Zielbahnhof ein, wo Orchester und Dirigent mit Schlangenbeschwörungen und exotischem Kolorit facettenreich persisches Markttreiben illustrierten. Fazit: Ein begeistertes Publikum und spielfreudige Musiker.
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