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Seeräuber, Hexen, Feen und Zauberer bevölkerten musikalisch die Bühne des Gothaer Kulturhauses
Mit viel Beifall quittiert worden ist das Familienkonzert, zu dem die
Thüringen Philharmonie eingeladen hatte. Das neugierig machende Motto:
"Hexenspuk und Elfenzauber".
Von Dieter Albrecht
Gotha.
Im Parkett war kaum noch ein Platz frei. Menschen jeden Alters saßen
erwartungsvoll einträchtig nebeneinander und machten sich ihre Gedanken
darüber, was wohl der vorm Orchester aufgebaute Tisch mit dem
Gartenzwerg und dem Verkehrszeichen "Achtung, Hexen kreuzen die
Fahrbahn!" bedeuten mochte. Dann bewirkte die "Fanfare" aus Paul Dukas
romantischen Ballett "La Peri", dirigiert von Juri Lebedew, dass auch
das letzte Flüstern im Publikum erstarb.Mit einer ganzen Kollektion praller Stoffbeutel behängt, erstieg anschließend Günter Müller-Rogalla, geschäftsführender Intendant der Philharmonie, die Bühne. Diesmal freilich füllte er eine ganz andere Rolle aus: Als Moderator, dem der Schalk im Nacken sitzt, wusste er das Interesse der Kleinen und Großen im Saal anderthalb Stunden lang wachzuhalten. Und jedes Mal, wenn er ein neues Stück ansagte, türmten sich weitere Requisiten auf dem Tisch: Märchenbücher, Zauberstab, Seeräuberfahne, Totenschädel, Zauberschwert.
Klug verteilt waren die Musikstücke: Einige wenige aus dem klassischen Repertoire – aus Edvard Griegs "Peer Gynt" und Felix Mendelssohn Bartholdys "Sommernachtstraum" –, dann aber etliche Suiten aus populären Abenteuer, Märchen- und Fantasy-Filmen: Der König von Narnia, Harry Potter, Der Herr der Ringe und Hook reichten einander die Hand, und der Fluch der Karibik wehte über die Bühne des Kulturhauses. Das Eigentümliche daran: Die Namen der Komponisten kennt man kaum, den Inhalt der Filme aber umso besser. […] Hauptsache, die Musik ist gut.
Und fürwahr, sie ist es und wurde von den Musikern entsprechend gut und oft genug mitreißend interpretiert. Ja, es macht einfach Spaß zu erleben, dass dieses Orchester mit Harry Greson-Williams, John Williams, Howard Shore und Klaus Badelt eine ebenso gute Figur abgibt wie mit Beethoven, Brahms und Rachmaninow. Erwartungsgemäß fiel der Applaus nach der Suite aus dem "Fluch der Karibik" noch tosender aus, nachdem Lebedew das Orchester in Seeräuber-Uniform dirigiert hatte.
Nach so einem tollem Konzert geht man natürlich nicht auseinander ohne eine Zugabe. Bevor also alle heimwärts an den verspäteten Mittagstisch strebten, erstand vor den inneren Augen der Hörer eine eher sympathische Hexe (oder Fee?) mit dem unnachahmlichen naiv-verschlagenen Blick der Margaret Rutherford: Miss Marple, in Musik gesetzt von dem Engländer Ron Goodwin.
Eine Lehre sollten alle, Kinder wie Erwachsene, aus dem Konzert mitgenommen haben: Experimentiere nie mit einem Dirigentenstab, der einem Zauberstab so ungeheuer ähnlich sieht – das Orchester könnte explodieren!
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