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Kissinger Operettenzauber

Samstag, 11.09.2010 - 19.30 Uhr

Bad Kissingen | Regenten-Saal

Konzert J1

„Der fliegende Holländer”

Donnerstag, 16.09.2010 - 10.00 Uhr

Gotha | Kulturhaus

Kirchenkonzert

Sonntag, 19.09.2010 - 17.00 Uhr

Hildburghausen | Christuskirche

Unaufhaltsam vorwärts - Gothaer Allgemeine, 29.12.2009

Mit Beethovens 9. Sinfonie klang am Sonntag im Kulturhaus traditionell das Kalenderjahr musikalisch aus. Chefdirigent Stefanos Tsialis animierte die Thüringen Philharmonie Gotha zu einer hochdramatischen Interpretation.

Von Dieter Albrecht

GOTHA. So, jetzt wissen wir also auch, wie Tsialis Beethoven anpackt, denn dessen Coriolan-Ouvertüre im 2. A-Konzert im September konnte noch nicht erschöpfend Auskunft darüber geben. Die Neunte ist ein Ausnahmewerk in jeder Beziehung und belegt, wie der Komponist in seinem titanischen Ringen das Unmögliche möglich machen wollte. So unterscheidet sich schon der unglaublich dicht konstruierte 1. Satz von allem, was vorher war. Man hat ihn freilich schon langsamer gehört. Immerhin gibt ein gemäßigteres Tempo (Allegro, ma non troppo - nicht zu lebhaft) die Möglichkeit, dramatischen Akzenten mehr Gewicht zu verschaffen. Das diabolische Scherzo, eh schon als schneller Satz konzipiert, läuft, speziell im Trio, Gefahr, zu verflachen, wenn die bäuerliche Tanzmelodie nicht genügend ausgespielt wird. Wie aber, wenn das gewollt ist? Das Scherzo als Abbild einer immer schneller dahinrasenden und immer oberflächlicher werdenden Gesellschaft, der das Irrsinnstempo letzten Endes die Zeit zum Leben nimmt?

Eine Atempause verschafft dem Hörer der dritte Satz, das Adagio. Wunderbar zu erleben war es, mit welcher Emotion die Streicher das unglaublich schöne 1. Thema ans Licht hoben. Ein Traum. Doch der dissonant beginnende 4. Satz macht uns endgültig klar: So geht es nicht weiter, die Richtung stimmt nicht. Dann eine der gefürchtetsten Solostellen für Sänger: "Freunde, nicht diese Töne". Der Bass Olaf Plassa hat sie souverän gemeistert - die Stimme war warm, rund und voll besonders in der oberen und mittleren Lage und konnte sich gegenüber dem Orchester durchsetzen. Überzeugend war auch der Tenor Timothy Oliver, der im alla turca komponierten "Froh, wie seine Sonnen fliegen" eine Glanzleistung ablieferte.

Wobei man sich sowieso jedes Mal wieder fragt: Wie kann man eigentlich das singen, was der völlig taube Beethoven da für die Sänger geschrieben hat? Ein Sopran, der im Soloquartett die Höhe im Fortissimo klaglos bewältigt (Dorothea Winkel), und ein Mezzosopran, der eben hier jedes "Schallern" vermeidet (Susanne Gasch) - alle Achtung!

Zu loben sind auch die Sänger des Konzertchors Gotha (Andreas Ketelhut) und der Singakademie Suhl (Matthias Beckert), die stets auf der Höhe ihrer anspruchsvollen Aufgaben blieben. In der berühmten Doppelfuge etwa haben die Soprane schier Unmögliches zu leisten, und sie haben es geleistet.

Nach etwa einer Stunde und vier Minuten ließ Tsialis den Taktstock sinken. Im Hinterkopf hat man eher die gängigen 74 Minuten. Nun gut, Harnoncourt brachte es 1991 auf 66:44 Minuten und Herreweghe 1998 auf 62:29 Minuten. Sind sie alle schneller geworden als Beethoven? Halt! Die englische Erstaufführung im Jahr 1825 soll auch bloß eine Stunde und vier Minuten gedauert haben! Nur wer noch allzu romantische Interpretationen im Ohr hat, mochte dieses Konzert als einen Wettlauf zum Elysium empfinden.

Den Gothaer Philharmonikern hat man die Titanenarbeit angemerkt, aber auch die Freude, die Anspannung durchgehalten zu haben. Der lange anhaltende Beifall ließ auf ein begeistertes wie dankbares Publikum schließen.

 

 

Das Spielplanheft 2010/2011
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