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Wiener Walzer und schmissige Polkas "satt" - Gothaer Tagespost, 4.1.2010

Schwungvolles Neujahrskonzert der Thüringen Philharmonie Gotha - Intendant Müller-Rogalla als Moderator

Von Horst Gröner
 
GOTHA. (tlz) Wenn im Gothaer Kulturhaus bei einem Konzert auch die ersten Reihen besetzt sind, dann deutet dies auf ein ganz besonderes musikalisches Ereignis hin. So geschah es auch beim ausverkauften Neujahrskonzert der Thüringen Philharmonie Gotha, als das Publikum erwartungsfroh und festlich gestimmt das Orchester auf der Bühne mit langem Applaus begrüßte.

Irgendwie merkte man aber den Musikern bei der eingangs gespielten "Fledermaus"-Ouvertüre von Johann Strauß (Sohn) an, dass sie strapaziöse 36 Stunden hinter sich hatten: zwei aufeinander folgende Silvesterkonzerte in Lippstadt und dann die Busheimfahrt in der Neujahrsnacht mit Ankunft am frühen Morgen und praktisch gleich wieder aufs Konzertpodium. Da kann die Unsicherheit schon steigen oder auch die Konzentration für Übergänge, Fermaten und sonstige scheinbare Kleinigkeiten nachlassen.

Umso bewundernswerter war es, dass trotzdem alle Stücke den Charakter der lieb gewordenen Neujahrskonzert-Tradition getroffen hatten und mit größtem Einsatz gespielt wurden. Dafür sorgte auch als Gastdirigent der Wiener Wolfgang Czeipek. Zurückhaltend, aber effektiv setzte er durch seine Gestik die typischen Impulse für das Orchester.

Mit kurzweiligen Informationen und Anekdoten gab der Intendant der Thüringen Philharmonie Günter Müller-Rogalla Einblick in historische Hintergründe und die Wiener Lebensart. Ihm gelangen immer wieder amüsante Querverbindungen zwischen Wien und Gotha, beispielsweise was die Anzahl der hervorgebrachten gekrönten Häupter oder die jeweiligen Orchestertraditionen betraf. Seine lockere Moderation traf stets den richtigen Ton und band die diversen Walzer und Polkas zu einem bunten "Strauß" (und das stimmte ja fast immer!) zusammen.

Nach der Ouvertüre zur Operette "Die Fledermaus" erklang, ebenfalls von Johann Strauß, die Masken-Polka. Ihr folgten von Josef Lanner, dem Begründer des "echten Wiener Walzers" heutiger Prägung, im gefühlvollen Dreivierteltakt "Die Schönbrunner". Zum schmissigen Mittelpunkt der Polka "Feuerfest" des Strauß-Bruders Josef mauserte sich ein echter Amboss, eine Leihgabe der Heimatkapelle Finsterbergen, der als stilgerechtes Instrument völlig neue Töne ins Geschehen einbrachte.

"Die Morgenblätter" von Johann Strauß führten wieder zurück ins Wiener Milieu, ist dieser Walzer doch auch mit dem Text "Grüß" dich Gott, du liebes Nesterl" aus der Operette "Wiener Blut" bekannt geworden. Carl Michael Ziehrer beendete den ersten Programmteil mit seinem schwungvollen Walzer "Hereinspaziert" und eröffnete auch den zweiten Teil mit der "Fächerpolonaise", die besonders als Einzugsmusik der Debütantinnen beim Wiener Opernball vertraut wurde.

Johann Strauß" "Unter Donner und Blitz" gab den Schlagzeugern reichlich Gelegenheit, sich wirkungsvoll in Szene zu setzen. Im "Delirien-Walzer" von Josef Strauß hatten lautmalerisch passend die Bratschen ihren ersten Einsatz, bis dann nach der Introduktion der selig dahin fließende Walzer einsetzte. Johann Strauß war dann noch einmal reichlich vertreten: Der Polka "Im Krapfenwaldl" mit Kuckuck und Vogelgezwitscher schloss sich die Schnellpolka "Perpetuum mobile" an - vom Dirigenten witzig durch ein "und-so-weiter" abgebrochen.

Den offiziellen Schlusspunkt bildete der Strauß-Walzer "An der schönen blauen Donau", auf den sich die Zuhörer mit stürmischem Applaus noch die Schnellpolkas "Außer Rand und Band" vom jüngsten Strauß-Bruder Eduard sowie "Eljen a Magyar" von Johann Strauß (mit einem lautstarken "Prosit Neujahr" aller Musiker an ihr Publikum) erklatscht hatten.

Dass auch im Gothaer Neujahrskonzert der "Radetzky-Marsch" von Johann Strauß (Vater) den krönenden Abschluss bildete, versteht sich fast von alleine. Und ebenso, dass Wolfgang Czeipek dezent die Einsätze fürs Mitklatschen gab. Beschwingter hätte dieser musikalisch äußerst gelungene Neujahrstag nicht beendet werden können.


 

 

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