Im Porträt: Alexej Barchevitch, 1. Konzertmeister

Alexej Barchevitch wuchs in St. Petersburg auf und ging zur Ausbildung als Violinist nach Weimar, wo er sein Studium 2003 mit dem Konzertdiplom abschloss. Schon während seines Studiums besetzte Barchevitch die Stelle eines Konzertmeisters beim Südthüringischen Staatsorchester Meiningen. Es folgten weltweite Engagements in der gleichen Stellung bei unterschiedlichen Orchestern u. a. in Antwerpen, London, Nürnberg und Frankfurt. Seit Januar 2011 ist Alexej Barchevitch 1. Konzertmeister der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach. Alexej Barchevitch engagiert sich darüber hinaus in vielfältiger Weise für seinen Amtsvorgänger, den Violinvirtuosen, -pädagogen, Maler und Philosophen Louis Spohr (1784–1859) und dessen musikalisches Erbe.

Wie bist Du dazu gekommen Geige zu spielen?
In meinem Elternhaus: Meine beiden Eltern sind Musiker. Ich hatte keine andere Wahl... Aber ich bin sehr glücklich damit!

Welche Vorbilder haben Dich musikalisch am meisten geprägt?
Louis Spohr! Spohr war ja Konzertmeister hier in Gotha. Spohr war unglaublich vielseitig und hat als Pädagoge enorm viel geleistet. Einer seiner Schüler, Ureli Corelli Hill, hat die New Yorker Philharmoniker gegründet. Und seine Liebesbriefe sind wirklich große Literatur!

Kannst Du Dich an Deinen ersten öffentlichen Auftritt erinnern?
Daran erinnere ich mich sehr gut. Mein Lehrer hatte ein System, nach dem musste jeder Schüler zwei Wochen (!) nach Unterrichtsbeginn sein erstes Konzert geben! Bei mir war es Vivaldis a-Moll-Konzert. Das ging natürlich nur, weil mein Lehrer ausschließlich Kinder von Musikern unterrichtete und wir vorher schon Theorie-Unterricht hatten.

Wie gehst Du mit Lampenfieber um?
Lampenfieber ist ja nicht grundsätzlich etwas Negatives. Es kann ja auch sehr hilfreich sein. Und darum geht es mir: meine Balance zu finden, die produktive Energie der Aufregung zu nutzen, und einen guten Umgang damit zu finden.

Was schätzt Du an Deinem Arbeitsplatz am meisten?
Die Thüringen Philharmonie ist aufgrund ihrer Geschichte und der Leute, die hier gewirkt haben, etwas ganz Besonderes. Außerdem bedeutet mir die Position eines Konzertmeisters sehr viel: In der Rolle geht es um den Kontakt mit anderen Musikern, ums Führen und Vermitteln. Das alles hat mich immer sehr interessiert. Und darüber hinaus ist meine Stelle die von Louis Spohr! Worum es beim Musikmachen im Kern geht, hat man Mahler mit folgenden Worten in den Mund gelegt: „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.“

Dein eindrucksvollstes Konzerterlebnis:
Gottseidank haben wir sehr viele davon! Die Frage ist wirklich schwer zu beantworten. Unsere Baby-Konzerte sind nicht vergleichbar mit Konzerten im Wiener Musikvereinsaal oder mit unserem heimischen Publikum. Die Mischung macht es und unsere Aufgabe ist es, möglichst viele Menschen zu erreichen. Leuchtende Kinderaugen können genauso beeindrucken wie goldene Kronleuchter oder Konzerte im Stadion.

Berliner oder Wiener Philharmoniker?
Musica aeterna. Ich bin ein großer Fan von Theodor Currentzis.

Staatskapelle Dresden oder Gewandhausorchester Leipzig?
Das sind beides großartige Orchester. Aber wenn Du so fragst: Israel Philharmonic Orchestra.

Mozart oder Mahler?
Beide. Möglichst viel davon!

Was möchtest Du dem Publikum mit auf den Weg geben?
Dankbarkeit, dass es da ist! Seinetwegen sind wir da. Ohne Publikum wären wir überflüssig.

Gespräch: Simon Kannenberg