Im Porträt: Seth Taylor, 1. Konzertmeister

Seth Taylor.

Seth Taylor wurde in San Francisco geboren und studierte Violine am dortigen Konservatorium sowie der renommierten Juilliard School in New York. Er widmete sich vor allem Solo-, Kammermusik-Konzerten und Plattenaufnahmen, bevor er kurz nach der Wende 1. Konzertmeister der Landeskapelle Eisenach bzw. der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach wurde. Kaum zu glauben: Als Eisenacher Konzertmeister war Taylor der letzte Amtsnachfolger Georg Philipp Telemanns!

Wie bist Du dazu gekommen, Violine zu spielen?
Ich stamme aus einer Musikerfamilie. Meine Mutter war Gesangslehrerin, mein Vater Solohornist in Cleveland, später in San Francisco. Mein Opa war ebenfalls in San Francisco Stimmführer der 2. Geigen – und mein erster Lehrer! Als ich 7 Jahre alt war, fand er mich aber nicht talentiert genug. Ich habe auch nicht geübt und meine Bogenführung war eine Katastrophe! Ich bin dann auf Klavier und später auf Schlagzeug umgestiegen, was mir viel Spaß gemacht hat. Mit 11 Jahren habe ich die Geige wieder in die Hand genommen. Dann wurde es ernster und das hat gehalten. Über Jahre war mein Opa dann mein Lehrer.

Welche Musiker haben Dich am meisten geprägt?
Das ist schwierig… Es gibt so viele! In meiner Jugend haben mich ganz unterschiedliche Musiker, auch Dirigenten geprägt. Kannst Du Dich an Deinen ersten öffentlichen Auftritt erinnern? Leider nicht direkt. Der erste Auftritt war wohl im Wohnzimmer bei meiner Familie, wo es regelmäßig Hausmusiken für Nachbarn und Gäste gab. Da war ich vielleicht 9 oder 10 Jahre alt. Wie gehst Du mit Lampenfieber um? Anders als in jüngeren Jahren habe ich im Alter weniger damit tu tun als mit „kreativem Stress“ – vor allem dann, wenn ich das Gefühl habe, dass ich mich voll auf die Musik konzentrieren und diese Freude auch dem Publikum übermitteln kann. Wenn aber die musikalischen Vorstellungen zwischen Musikern und Dirigent so unterschiedlich sind, dass ich mich nicht mehr anpassen kann, werde ich schon nervös!

Was schätzt Du an Deinem Arbeitsplatz am meisten?
Ich liebe den Moment, in dem der Dirigent „nicht stört“ (lacht) und das Orchester wie ein Mann spielen kann. Gemeinsam im Fluss zu sein, ist ein beglückender Moment, in dem ich besonders froh über meinen Arbeitsplatz bin. Nur wenn ein Dirigent ausnahmsweise das Orchester nicht zu animieren und inspirieren vermag, wird es schwierig. Dein eindrucksvollstes Konzerterlebnis: Da wird es wirklich schwierig. Es gibt unzählige! Meine ersten Konzertgänge beim Sinfonieorchester in San Francisco haben sich tief in meine Erinnerung gegraben. Auch die Hausmusik daheim, wenn mein Opa mit seinem Streichquartett oder mein Vater mit seinem Holzbläserquinett gespielt hat, hat mich immer sehr ergriffen, als ich noch ganz klein war.

Berliner oder Wiener Philharmoniker?
Beide! Und viele andere auch! Man stellt insgesamt fest, dass die Orchester so gut geworden sind, dass die einzelnen Charakteristiken immer mehr verschwimmen. Bei den Wienern gefällt mir der einmalige Klang der Wiener Hörner. – Die Berliner sind besonders brillant. Aber andere Orchester sind es auch. Wie bei Stargeigern auf dem internationalen Markt geht jedoch die Individualität leider immer mehr verloren. Dabei können sie technisch alle perfekt sein. Interessant wird es allerdings dann, wenn historische Spieltechniken in einem Orchester ausprobiert werden!

Staatskapelle Dresden oder Gewandhausorchester Leipzig?
Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach! Mozart oder Mahler? Am meisten liebe ich den, dessen Werk ich gerade spiele.

Bratwurst oder grüner Salat?
Grüner Salat auf jeden Fall! Ich bin Vegetarier.

Was möchtest Du dem Publikum mit auf den Weg geben?
Dass es uns treu bleiben und seinen Nachwuchs mit in unsere Konzerte bringen möge.

Interview: Simon Kannenberg