Im Porträt: Ulrike Zott, Solo-Kontrabassistin

Ulrike Zott belegte nach ihrem Abitur zunächst ein Biologie-Studium, das sie 1989 mit dem Diplom Abschluss. Acht Jahre lang arbeitete sie anschließend als wissenschaftlich-technische Assistentin an der Berliner Humboldt-Universität, orientierte sich aber bereits seit der Wende in Richtung Musik um. Neben dem Studium an der HfM „Hanns Eisler“ Berlin arbeitete sie als Substitut beim BSO. Seit Oktober 2001 war sie beim Landestheater Eisenach und ist nun seit der Orchesterfusion 2017 Mitglied der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach. Kaum zu glauben: Ulrike Zott ist beim Thüringer Rennsteiglauf schon einmal Marathon gelaufen (2012) und zweimal einen Halbmarathon (2007, 2013), wofür sie direkt hinter ihrem Haus am Eisenacher Johannistal eine ideale Trainingsstrecke hat. Als Hobbyornithologin nimmt sie ehrenamtlich als Mitglied der NABU-Ortsgruppe Bad Liebenstein an Kartierungen von Singvögeln teil. Außerdem widmet sie sich ihren musikalischen Hobbys Alphorn und – wie beim Beethoven-Stummfilm am 29.2. in Gotha und am 4.4. in Eisenach – der singenden Säge.

 

Wie bist Du dazu gekommen Kontrabass zu spielen?

Nach dem Ende der DDR stellte sich das Berufsbild des Biologen ganz anders dar; viele Forschungseinrichtungen und andere geeignete Arbeitsstellen verschwanden von der Bildfläche. Ich war verunsichert und auf der Suche. Eher zufällig lernte ich einen Kontrabass-Lehrer kennen. Schon bald war ich von den Möglichkeiten dieses Instrumentes und auch von der Persönlichkeit des Lehrers so fasziniert, dass ich mich auf eine Förderung zum Musikstudium einließ.

 

Welche Vorbilder haben Dich musikalisch am meisten geprägt?

Mein erster Kontrabass-Lehrer, selbst pensionierter Musiker, sowie dessen Lehrer, ehemals Solobassist an der Berliner Staatsoper Unter den Linden. Beide unterrichteten mich – mitunter sogar gleichzeitig und „stereo“.

 

Kannst Du Dich an Deinen ersten öffentlichen Auftritt erinnern?

Die ersten öffentlichen Solokonzerte habe ich in mehreren Kirchen auf der Insel Rügen, auf dem Darß und in Berlin gegeben, zusammen mit einem sehr geduldigen Pianisten von der Musikschule Berlin-Mitte, der mich auch künstlerisch sehr gefördert hat.

 

Wie gehst Du mit Lampenfieber um?

Sehr schlecht: Eigentlich fühle ich mich nicht wohl auf der Bühne. Dagegen hilft nur üben und immer wieder auftreten.

 

Was schätzt Du an Deinem Arbeitsplatz am meisten?

Am Landestheater Eisenach war die Arbeit besonders vielseitig, da sämtliche musikalische Sparten sowie auch Musik in Kombination mit dem Schauspiel vertreten waren. Bei der Thüringen-Philharmonie kommt nun auch die großorchestrierte Musik der Romantik dazu.

 

Dein eindrucksvollstes Konzerterlebnis:

Das waren nicht Konzerte, sondern die Opern „Tiefland“ (Eugen d'Albert), „Sommernachtstraum“ (Benjamin Britten) und „Turandot“ (Giacomo Puccini) am Landestheater Eisenach.

 

Berliner oder Wiener Philharmoniker?

Jedes Orchester an seinem Heimspielort.

 

Staatskapelle Dresden oder Gewandhausorchester Leipzig?

s.o.

 

Bratwurst oder grüner Salat?

Salat mit bissel Bratwurst darin.

 

Was möchtest Du dem Publikum mit auf den Weg geben?

Die Weisheit meines Lehrers: Es ist nie zu spät, etwas Neues anzufangen – am besten mit einem Musikinstrument. So bin ich zum Spät- und Quereinsteiger in der Musik geworden.

Fragen: SImon Kannenberg