Im Porträt: Horst Endter, Klarinette

Horst Endter wurde 1955 in Trusetal geboren. Ab der 8. Klasse besuchte er die Spezialschule für Musik Schloss Belvedere und absolvierte sein anschließendes Klarinettenstudium an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar (1973–75) und an der Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig (1975–77). Zugleich sammelte er professionelle Orchestererfahrungen als Praktikant am Theater in Altenburg. Am 1.9.1977 trat er als Soloklarinettist in das Staatliche Sinfonieorchester Thüringen mit Sitz in Gotha ein. 1980 heiratete er seine Frau Claudia, die, wann immer es möglich ist, im Konzert auf der Seite des Publikums sitzt und sich heute mit ihm an den beiden großen Enkelkindern erfreut. 1987 wurde Horst Endter zum Kammermusiker ernannt. – Kaum zu glauben: Seit seinem Eintritt hat er drei Namensänderungen des Orchesters bis zur heutigen Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach miterlebt.

Wie bist Du dazu gekommen Klarinette zu spielen?
Meine Eltern waren Mitglieder im Bergmannschor in Trusetal. Einmal war ich als Junge mit bei einem Konzert mit dem Meininger Orchester in Schmalkalden. Ich saß in der ersten Reihe und als der Freiheitschor aus Nabucco erklang, wusste ich, dass ich Musiker werden will. Eigentlich wollte ich dann Pianist werden, aber in Belvedere hatten sie davon schon genug und haben mir dann angeboten, Klarinette zu lernen. So bin ich zu meinem Wunschinstrument gekommen. Jetzt bin ich heilfroh, dass ich ein Orchesterinstrument gewählt habe. Das gemeinsame Spielen ist das Größte und Schönste für mich.

Welche Vorbilder haben Dich musikalisch am meisten geprägt?
Im Grunde genommen waren das meine Kollegen im Orchester und in den verschiedenen Kammermusikformationen. Man war ja noch nicht so perfekt ausgebildet, wie die jungen Leute, die heute von der Musikhochschule kommen. Die Kollegen damals haben mich wahnsinnig aufgebaut und angeleitet. Besonders erwähnen möchte ich auch die Dirigierkurse von Prof. Heinz Rögner, bei denen ich sehr viel gelernt habe – nicht nur über das Dirigieren, sondern über das Musizieren überhaupt.

Kannst Du Dich an Deinen ersten öffentlichen Auftritt erinnern?
Auf dem Klavier hatte ich meinen ersten Auftritt in Bad Liebenstein bei einem Kurkonzert des Bergmannschors meiner Eltern. Da habe ich einige Einlagen gespielt. – Als ich dann meine Stelle in Gotha hatte, wurde uns die Möglichkeit gegeben, solistisch aufzutreten, was ein zusätzlicher Motivationsschub war. Eines meiner ersten Solokonzerte war in der Spielzeit 1977/78 die Sinfonia Concertante von Mozart. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass ich das Werk 40 Jahre später in der Spielzeit 2017/18 noch einmal spielen durfte.

Wie gehst Du mit Lampenfieber um?
Das verliert man nie ganz. Es hat mit den Jahren nachgelassen, aber ein bisschen Lampenfieber bleibt immer übrig. Und das ist auch ganz gut so: Sonst wird man größenwahnsinnig.

Was schätzt Du an Deinem Arbeitsplatz am meisten?
Die Kollegialität in Gotha. Ich wurde sehr familiär aufgenommen und der herzliche Zusammenhalt setzte sich auch außerhalb des Dienstes fort. Als wir nach der Wende um unsere Existenz kämpften und massiv Stellen abgebaut werden mussten, sind alle älteren Mitglieder mit herben Verlusten freiwillig aus dem Dienst geschieden – zugunsten der jüngeren Kollegen mit Familien. Die Solidarität unter den Musikern und mit dem Publikum hat mich wahnsinnig berührt.

Dein eindrucksvollstes Konzerterlebnis?
In schönster Erinnerung ist mir die Aufführung von Wagners Ring des Nibelungen unter der Leitung von Kirill Petrenko in Meiningen, wo sich unser und das Meininger Orchester die Aufführungen teilten. Regie führte Christine Mielitz, das Bühnenbild stammte von Alfred Hrdlicka. Petrenko hat danach noch zwei Konzerte in Gotha und Suhl dirigiert. Wenn ich dienstfrei habe, setze ich mich gerne ins Publikum und höre mir die Kollegen im Konzert an. Der Klang der Thüringen Philharmonie beeindruckt mich immer wieder sehr! Ich freue mich auf die Zeit, in der ich das noch häufiger erleben kann. Außerdem haben mich unsere zahlreichen Gastspiele und Auslandsreisen immer sehr erfüllt. Nach der Wende haben wir schnell fast alle Städte in den alten Bundesländern kennengelernt. In der Alten Oper in Frankfurt zu spielen, ist zum Beispiel immer ein großartiges Klangerlebnis für mich – genau wie im Schauspielhaus am Berliner Gendarmenmarkt! Und im Wiener Musikvereinssaal aufzutreten, wo schon alle Großen des Musiklebens standen, erfüllt mich immer wieder mit Stolz!

Berliner oder Wiener Philharmoniker?
Zwei der Solo-Klarinettisten in Wien und Berlin sind Brüder!

Staatskapelle Dresden oder Gewandhausorchester Leipzig?
Im Gewandhausorchester war ich mal Substitut, wurde aber nie eingesetzt. Dafür durfte ich mal beim damaligen Rundfunk-Sinfonieorchester Leipzig – heute MDR – bei einer Plattenaufnahme von Strauss‘ Elektra mitwirken – in der Originalbesetzung mit acht Klarinetten! Das war unglaublich!

Mozart oder Mahler?
Beide fangen mit M an...

Bratwurst oder grüner Salat?
Als gebürtiger Thüringer... Aber natürlich ohne Ketchup! Nur mit Senf und am besten vom Thüros-Grill!

Was möchtest Du dem Publikum mit auf den Weg geben?
Ich bin dem Publikum für die lange gemeinsame Zeit unglaublich dankbar! Ich kenne im Publikum so viele Gesichter, die mich von Anfang an begleiten. Und ich hoffe, dass sie dem Orchester stets die Treue halten. Ich werde bald an ihrer Seite sein.

Fragen: Simon Kannenberg