Im Porträt: Matthias Standke (Horn)

Matthias Standke wurde 1969 in Leipzig geboren und begann 1989 sein Vorstudienjahr mit Hauptfach Horn an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in seiner Heimatstadt. Er erhielt noch eine Stunde Staatsbürgerkunde und eine Stunde Russisch, bevor die Wende kam. Nach der Ernennung Hermann Märkers zum Professor wechselte er 1991 in dessen Klasse. 1996 schloss Matthias Standke sein Diplom als Orchestermusiker mit Auszeichnung ab. Bald darauf gewann er das Probespiel beim damaligen Landessinfonieorchester Thüringen Gotha und trat am 15.1.1997 seinen Dienst als Solohornist an. –  Kaum zu glauben: Matthias Standke ist leidenschaftlicher Hobbyfotograf und legt auch bei der digitalen Nachbearbeitung großen Wert darauf, dass ein Bild so aussieht, wie er das Motiv in Erinnerung hat.

Wie bist Du dazu gekommen Horn zu spielen?
Ich hatte familiär einige Berühungspunkte mit klassischer Musik, aber zunächst habe ich vor allem begeistert und aktiv Schach gespielt – einzeln, in der Mannschaft und um Medaillen. Jedoch war ich immer fasziniert vom strahlenden Klang der Trompete, aber den Eintritt in die staatliche Musikschule, wo mich meine Eltern für das Instrument angemeldet hatten, habe ich leider verpasst. Das Musikunterrichtskabinett, damals eine Art freier Musikschule, bot mir, als ich 13 Jahre alt war, Hornunterricht an. Es hat eben nur fürs Horn gereicht... Aber bereut habe ich das nie! Mein Lehrer war Amand Schwantge, der im Gewandhaus tiefes Horn spielte. Früher war er auch mal in Gotha im Orchester. Nach der 10. Klasse habe ich dann zuerst eine Lehre als Facharbeiter für Werkzeugmaschinen gemacht, bevor ich die Aufnahmeprüfung in Leipzig bestand.

Welche Vorbilder haben Dich musikalisch am meisten geprägt?
Die Eleganz des Spiels von Peter Damm und der Klang von Hermann Baumann.

Kannst Du Dich an Deinen ersten öffentlichen Auftritt erinnern?
Undeutlich. Das war mit 14 Jahren im Leipziger Museum der Bildenden Künste zu einer Bilderpräsentation. Ich spielte mit einem Bläserquintett des Musikunterrichtskabinetts, das extra für den Anlass zusammengestellt worden war. Ein Jahr später hatte ich meinen ersten solistischen Auftritt im kleinen Gewandhaussaal im Rahmen des Abschlusskonzerts des Musikschuljahres.

Wie gehst Du mit Lampenfieber um?
Durch Atemübungen, frische Luft und Konzentration. Je mehr Dienst ich habe, desto mehr Routine. Aber Lampenfieber empfinde ich grundsätzlich nicht als unangenehm. Früher war ich sogar verunsichert, wenn ich mal kein Lampenfieber mehr hatte!

Was schätzt Du an Deinem Arbeitsplatz am meisten?
Ich bin glücklich, wenn ich mit Kollegen zusammensitzen und Musik machen kann – besonders innerhalb der Horngruppe, aber auch darüber hinaus mit Bläsern, Schlagzeugern und Streichern, wobei der Kontakt schwieriger ist, je weiter entfernt man voneinander sitzt.

Dein eindrucksvollstes Konzerterlebnis:

In der Rolle als Zuhörer war das ein Gastspiel der Berliner Philharmoniker im Gewandhaus mit Schuberts Unvollendeter und Mahlers 5. Sinfonie. Die 3. Sinfonie von Mahler habe ich auf einem Stehplatz im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins mit den Wiener Philharmonikern erlebt. Das habe ich auch in eindrucksvoller Erinnerung.

Als Musiker sind mir die Aufführung des Siegfried und des 1. Akts der Götterdämmerung mit Kirill Petrenko in Meiningen unvergesslich und natürlich danach mit ihm die 2. Sinfonie von Rachmaninov in Gotha. Ein besonderes Erlebnis waren auch die drei großen Bruckner-Sinfonien 7–9 in Kooperation mit dem Erfurter Orchester und eine Aufführung von Brahms 2. Sinfonie im Goldenen Saal in Wien.

Berliner oder Wiener Philharmoniker?
Schwierig. Eigentlich liegen mir die Wiener mehr. Die Berliner sind mir oft zu perfekt, die Wiener spielen natürlicher.

Staatskapelle Dresden oder Gewandhausorchester Leipzig?
Als Leipziger sage ich natürlich – beides. In Dresden gefallen mir die Bläser mehr, in Leipzig die Streicher. Besonders unter Masur waren die Bläser (vor allem die Blechbläser) immer sehr unterbelichtet, die wurden geradezu unterdrückt.

Mozart oder Mahler?
Mahler.

Bratwurst oder grüner Salat?
Grüner Salat.

Was möchtest Du dem Publikum mit auf den Weg geben?
Bleiben Sie uns weiterhin treu. Ich wünsche mir, dass wir die jetzige Krise gemeinsam überstehen. Und ich würde mich sehr freuen, wenn wir mit unseren jetzigen Aktionen auch andere Publikumskreise ansprechen und für uns gewinnen.

Fragen: Simon Kannenberg