
MUSIK TRIFFT WISSENSCHAFT – Konzert zur Eröffnung der Ilmenauer Wissenschaftsnacht
Es spielt das OktoPLUS-Ensemble der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach.
– Änderungen vorbehalten. –
Ilmenau – Blühende Wissenschaft und Goethes Wohlfühloase
Es ist eine überaus spannende Mischung, der man in dieser Stadt begegnet – einerseits die kulturelle Geschichte und das Flair einer beliebten Sommerfrische, zugleich pulsiert das wissenschaftliche Leben mit innovativen Forschungsprojekten.
Goethes Erbe trifft auf Spitzentechnologie: An der Technischen Hochschule arbeiten renommierte Wissenschaftler*innen, deren Errungenschaften von weltweiter Bedeutung sind. Dazu tiefe Wälder mit Quellbächen und Bergwiesen, durch die sich idyllische Wanderpfade winden. Kein Wunder, dass Goethe an Schiller schrieb: „Ich war immer gerne hier und bin es noch; ich glaube, es kommt von der Harmonie, in der hier alles steht.“
Zentrum für Forschung und Wissenschaft
Die Tradition des Forschens und Lehrens in Ilmenau besteht bereits seit über 120 Jahren. 1894 wurde das „Thüringische Technikum Ilmenau“ als private Bildungsstätte gegründet, deren historische Lehrgebäude heute als Joliot-Curie-Bau und Faraday-Bau Teil der Technischen Universität Ilmenau sind. Diese Hochschule ist führend in den Bereichen Mikro- und Nanotechnologien, Biomedizinischer Technik und angewandter Informatik. Dank ihrer Forschungsstärke und der engen Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Wissenschaft hat sich Ilmenau zu einem bedeutenden Zentrum für Innovation und Technologietransfer entwickelt.
Schon gewusst?: Von der Entwicklung des MP3-Formates über die genaueste Waage der Welt, einer Ultra-Breitband-Technik zum Auffinden verschütteter Personen bis hin zu einem Pulver, das vor elektromagnetischer Strahlung schützt – all diese Erfindungen sind der TU Ilmenau zu verdanken. Deutschlands beliebteste Pflanzenbestimmungs-App „Flora Incognita“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der TU Ilmenau und des Max-Planck- Instituts für Biogeochemie in Jena.
Wenn Wissenschaft auf Musik trifft
Die Technische Universität Ilmenau verbindet auf kreative und innovative Weise Wissenschaft und Musik zu einer inspirierenden Einheit. Das Akademische Orchester besteht aus engagierten Mitarbeitenden, Studierenden und Musikern aus der Region. Ziel ist es, Werke der klassischen Musik gemeinsam aufzuführen und die eigenen musikalischen Fähigkeiten zu erweitern. Der seit 1985 bestehende Kammerchor probt wöchentlich und bringt vielfältige Chormusik, von Madrigalen bis Pop-Arrangements, bei universitären Veranstaltungen und Semesterkonzerten zur Aufführung. Auch eine Bigband gehört zur TU Ilmenau: „Second Unit jazz“ wurde 2003 von 12 Studierenden aus dem Kammerorchester heraus gegründet und ist heute ein fester Bestandteil im kulturellen Leben der Stadt Ilmenau und der Universität. Das ebenfalls von Studierenden gegründete ILMPULS Festival steht für Nachhaltigkeit, Kulturförderung und Regionalität.
Doch die Verbindung zwischen Musik und Wissenschaft beschränkt sich nicht nur auf das musikalische Engagement. Die Universität arbeitet auch an innovativen Technologien, etwa in der Audioforschung: Wissenschaftler haben eine Methode entwickelt, um virtuelle Schallquellen in realistischen Räumen zu simulieren. Diese Technologie, die auch in enger Zusammenarbeit mit dem Meta-Konzern weiterentwickelt wird, eröffnet neue Möglichkeiten im Bereich Augmented Reality, Gaming und immersive Unterhaltung. Mit all diesen Aktivitäten zeigt die TU Ilmenau, wie künstlerische Kreativität und wissenschaftliche Innovation Hand in Hand gehen können.
Goethes Spuren in Ilmenau
Ilmenau hat Goethe einiges zu verdanken. Er wurde in die Stadt berufen, um das undurchsichtige Steuer- und Finanzwesen zu reformieren und den Kupfer- und Silberbergbau wiederzubeleben, was er auch tat: 1784 vollzog er den ersten Spatenstich zu einem neuen Schacht. Während seiner Aufenthalte entwickelte er eine ausgesprochene Leidenschaft für die umgebende Natur. Sie inspirierte ihn als Dichter und trieb ihn zu neuen Werken an. Auch begeisterte er sich als Naturforscher für urzeitliche Funde bei Manebach, die Bestandteile seiner umfassenden Sammlung wurden.
Versteinerte Bäume im Thüringer Wald
Manebach im Thüringer Wald gilt als die Wiege der Paläobotanik. Seit dem 18. Jahrhundert wurden hier Reste fossiler Pflanzen (Baumfarne, Riesenschachtelhalme, Ginkgophyten etc.) entdeckt, weshalb der Ort weltweit als bedeutender Fundort der Perm-Zeit gilt. Die Funde begründeten die Paläobotanik als eigenständige Forschungsdisziplin und gewähren Einblicke in eine tropische Lebenswelt vor knapp 300 Millionen Jahren, als Manebach noch in der Nähe des Äquators lag. Besonders spannend sind die laufenden Ausgrabungen, bei denen immer wieder Fossilien wie Knochen, Fische, Muscheln, Blätter und sogar Saurierspuren zutage treten – ein faszinierender Einblick in die Erdgeschichte und die wechselvolle Entwicklung unseres Planeten.
Tipp: Geo-Weg Manebach. Ein rund 6,5 km langer Erlebnispfad mit teils anspruchsvollen Abschnitten. Er führt zu einstigen Bergbaustätten und zeigt die beeindruckende Tierund Pflanzenwelt vor knapp 300 Millionen Jahren.
Dampfende Täler und geheime Liebesverstecke
Auf seinen Wanderungen zückte Goethe nicht selten den Zeichenstift, so am Großen Hermannstein, dessen Panoramablick er in der Zeichnung „Dampfende Täler“ festhielt. Auch für romantische Tête-à-Têtes mit Charlotte von Stein nutzte er die Aufenthalte in freier Natur. War sie nicht dabei, so gab er ihr in seinen Briefen Einblick: „Auf dem Gickelhahn, dem höchsten Berg des Reviers (…) hab ich mich gebettet, um dem Wuste des Städtgens, den Klagen, den Verlangen, der unverbesserlichen Verworrenheit der Menschen auszuweichen“. Am Abend des 6. September 1780 schrieb der Goethe auf dem Gipfel des Kickelhahns die wenigen Verszeilen, beginnend mit „Über allen Gipfeln ist Ruh…“ an die Bretterwand der schlichten Jagdhütte – als „Wandrers Nachtlied“ setzte er sich damit ein literarisch-musikalisches Denkmal. Es wurde mehrfach vertont und in über 50 Sprachen übersetzt.
Tipp: Qualitätsweg „Goethewanderweg“ von Ilmenau nach Stützerbach. Der rund 20 Kilometer lange Wanderweg führt zu Goethes Lieblingsplätzen und überrascht mit imposanten Tälern, Felsschluchten und Bergwiesen. Hier schwelgte der Dichter und Naturforscher in romantischen Gefühlen, hier vollendete er literarische Meisterwerke. Startpunkt der Wanderung ist das Amtshaus in Ilmenau, Sitz des GoetheStadtMuseums.



