Orchesterporträt

Eine ganz und gar großartige Geschichte zweier Städte

Die Geschichte des durch eine Fusion im August 2017 neu zusammengesetzten Klangkörpers ist eng verknüpft mit der Geschichte der Residenzstädte Gotha und Eisenach.

Das musikkulturelle Leben der Stadt Gotha ist, ausgehend vom Gründungsjahr 1651 der Herzoglichen Hofkapelle bis zur Auflösung aller deutschen Herzogtümer im Jahr 1918, kontinuierlich geprägt vom Wirken namhafter Komponisten und Musiker. Die verlässliche Existenz eines solchen Klangkörpers ermöglichte vom Barock bis in die Zeit der Moderne das Wachsen lebendiger Musiktradition, die der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach Verpflichtung und Inspiration zugleich sein muss.

Obzwar im benachbarten Eisenach eine solche höfische Tradition nicht bestand, gelang es hier doch, gefördert vom Engagement bürgerlicher Musikvereine, über das Wirken Bachs und Telemanns hinaus die Wartburgstadt als beliebten Aufführungsort für Konzert, Oper und Operette sowie Sprechtheater und Ballett zu etablieren. Vor mehr als 100 Jahren, am 02. April 1919, wurde in Eisenach aus bürgerlichem Engagement heraus das Eisenacher Stadtorchester gegründet.

An beiden Standorten sieht sich das 2017 zur Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach fusionierte Orchester vor der abwechslungsreichen Aufgabe, neben anspruchsvoller Konzerttätigkeit mit renommierten Solistinnen und Solisten auch die orchestrale Begleitung von Ballettproduktionen zu sichern sowie im kammermusikalischen Bereich zu wirken. Entsprechend vielseitig ist das Repertoire der Musiker. Hier werden nahezu alle musikalischen Epochen berücksichtigt, wobei neben publikumswirksamer Klassik und Romantik auch zeitgenössische Musik angemessene Beachtung findet.

Zum Profil der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach gehört neben dem Fokus auf die „Neue Musik“ auch die sinfonische Orchesterliteratur vorangegangener Epochen. Die im Jahr 2020 entstandene Barockreihe „Vier Jahreszeiten“ wird auch in dieser Spielzeit mit mehreren besonderen Konzertprojekten fortgesetzt. Diese Reihe beeindruckt durch die Auftritte von exzellenten Spezialisten auf dem Gebiet der historisch informierten Aufführungspraxis. Auch im Spieljahr 2021/22 wird das Barockensemble mit namhaften musikalischen Gästen wie Midori Seiler, Michael Hofstetter, Maurice Steger, Terry Wey, Sigrid T’Hooft und vielen weiteren prominenten Solisten auftreten.

Dass darüber hinaus ein besonderes Augenmerk auf die Ansprache jungen Publikums liegt, belegt die große Zahl von Kinder- und Jugendkonzerten sowie Aufführungsbesuchen in Schulen. Mit diesem Ansatz erklären sich auch die regelmäßigen Proben für Dirigier- und Kompositionsstudenten, wobei hier eine langjährige Zusammenarbeit mit der Weimarer Hochschule für Musik „Franz Liszt“ wie auch mit dem Deutschen Musikrat zu verzeichnen ist.

Den wohlklingenden Ruf Thüringens als Heimat auch der klassischen Musik zu bewahren und in die Welt hinauszutragen, ist den Musikern aus Gotha und Eisenach sowohl künstlerischer Anspruch als auch ehrenvolle Verpflichtung.