CHANSON D’AMOUR – Wandelhalle Eisenach

EISENACH | Revolution und Inspiration – Luther und Bach.

Errungenschaften von globaler Bedeutung gingen von Thüringen hinaus in die Welt: Martin Luther übersetzte 1521/1522 das Neue Testament auf der Wartburg aus dem griechischen Grundtext ins Deutsche, was einen entscheidenden Beitrag zur Sprache und Reformation leistete. Er wollte, dass jeder die Bibel auf Deutsch lesen und verstehen kann. Luther schrieb zudem zahlreiche Kirchenlieder in deutscher Sprache, um Gottesdienste für die Gemeinde verständlich und erbaulich zu gestalten. Offensichtlich wusste er auch um die heilsame Wirkung der Musik: „Musica ist das beste Labsal eines betrübten Menschen, dadurch das Herze wieder zufrieden, erquickt und erfrischt wird.“ Die Wirkungsstätten des einstigen Visionärs und Revolutionärs sind spannende Zeugnisse jener Zeit: Ob Wandern auf dem Lutherweg, Museumsbesuche an seinen Lebensstationen oder spezielle Führungen – es gibt vielfältige Möglichkeiten, sich dem berühmten Reformator zu nähern.

Schon gewusst? Mehr als 300 Begriffe und Sprichwörter aus Luthers Übersetzung sind bis heute sind im täglichen Sprachgebrauch präsent, darunter umgangssprachliche Redewendungen wie „der Stein des Anstoßes sein“, „Perlen vor die Säue werfen“, „sein Licht unter den Scheffel stellen“, „Hochmut kommt vor dem Fall“ oder auch „Wenn es dem Esel zu gut geht, geht er aufs Eis und tanzt“.

Doch die Wartburg war nicht nur reformatorischer Schauplatz: Hier soll es den legendären Sängerkrieg gegeben haben, der Richard Wagner zu seiner Oper „Tannhäuser“ inspirierte. Vom Burgberg hinab in die Stadt Eisenach, in der der weltberühmte Komponist Johann Sebastian Bach 1685 das Licht der Welt erblickte. Hier verbrachte er seine ersten zehn Lebensjahre und erhielt Musikunterricht, sang im Schulchor, besuchte die Lateinschule und lernte Geige spielen. Mit über 1.000 Kompositionen, darunter berühmte Werke wie die Matthäus-Passion, das Weihnachtsoratorium, die Brandenburgischen Konzerte und die Goldberg-Variationen, die er in seinem Leben schuf, repräsentiert Bach die Spitze des Barockstils und gilt bis heute als unübertroffenes Genie der Musikgeschichte.

Tipp: Lutherhaus und Bachhaus. Die multimediale Dauerausstellung „Luther und die Bibel“ im Lutherhaus, eines der ältesten Fachwerkhäuser Thüringens und ehemaliger Wohnort Martin Luthers, bietet Einblicke in das Leben des Reformators, seine Bibelübersetzung und beherbergt historische Schätze wie mittelalterliche Kunstwerke. Das Bachhaus zeigt die weltweit größte Ausstellung über den Komponisten J. S. Bach, inklusive „begehbarem Musikstück“ – einer 180-Grad-Projektion, die Besucher in vier unterschiedliche Bach-Aufführungen hineinversetzt. Auf 600 m² zeigt das Museum über 300 Originalexponate, darunter historische Instrumente.

Gleich hinter der Wartburgallee öffnet sich der Kartausgarten, ein rund 3,8 Hektar großer Landschaftspark und damit der älteste botanische Garten Eisenachs. Dort befindet sich die prächtige Wandelhalle, die 1906 als Teil des einstigen Kurbetriebs eingeweiht wurde. Das salzhaltige Heilwasser stammte aus der Karolinenquelle, doch der Kurort war nur von kurzer Dauer – bereits 1938 endete der Betrieb.
Nach aufwendiger Sanierung dient die Wandelhalle heute als stimmungsvolle Kulisse für Konzerte, Ausstellungen und Sommerfeste. Im angrenzenden Park wachsen exotische und seltene Gehölze, die den historischen Garten mit lebendiger Natur erfüllen.

Im Zentrum des Gartens steht das klassizistische Gärtnerhaus mit dem romantischen Teezimmer, dessen Wände mit aufwendig restaurierten französischen Bildtapeten geschmückt sind. Die Motive erzählen die antike Liebesgeschichte von „Amor und Psyche“ – ein zauberhafter Raum, der Besucher auf eine kleine Zeitreise entführt.
Nicht weit davon erhebt sich die Reuter-Villa, ein neorenaissance Bau, in dem seit 1897 das Reuter-Wagner-Museum untergebracht ist. Der Dichter Fritz Reuter lebte hier bis zu seinem Tod, und sein literarisches Andenken verschmilzt mit dem musikalischen Erbe von Richard Wagner: In Eisenach bewahrt man die weltweit zweitgrößte Wagner-Sammlung nach Bayreuth.
Über 20.000 Objekte dokumentieren Wagners Leben und Werk: Autographen, originale Briefe, Partituren (darunter die handgeschriebene „Rienzi“-Partitur), seine Totenmaske, ein Klavier, auf dem er gespielt hat – sogar zahlreiche Kuriosa wie Pfeifen, Liköre oder Bürsten gehören dazu.
Ein besonders kostbarer Schatz ist die Bibliothek mit rund 5.500 Bänden: alte Drucke, Musikhandschriften, Zeitungsarchive – ein echtes Archiv der Wagner-Rezeption des 19. und 20. Jahrhunderts.
Nur wenige Schritte entfernt erhebt sich das Stadtschloss am Markt, heute Sitz des Thüringer Museums. Im barocken Ambiente des Schlosses verbinden sich Kunst, Kultur und Stadtgeschichte: Ausstellungen zeigen Thüringer Porzellan, historische Möbel, Gegenstände des Alltags und das kunstvolle Schmiedeeisenhandwerk.
Ein besonders spektakuläres Objekt: ein wiederentdeckter Karton, eine monumentale Vorzeichnung für das Sgraffito von Wagners Haus „Wahnfried“ in Bayreuth. Das Werk zeigt Wotan und Siegfried aus dem Ring-Zyklus und wurde nach Restaurierung im Stadtschloss präsentiert.
Hier wird Eisenachs kulturelles Erbe nicht nur lebendig – es knüpft eine Brücke von der Reformation über barocke Musik bis zu deutsch-romantischer Dichtung und Komposition.

Chanson d’Amour – Wandelhalle Eisenach

TENOR/KLAVIER | Aco Bišćević
TANZ/EINRICHTUNG | Alberto Pagani
Mit Musikerinnen und Musikern der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach

Als Topos ist die Liebe in der Musikgeschichte Ideal und Widerspruch zugleich: Sie ist Objekt einer ästhetischen Formung, aber immer schon von den Bedingungen gesellschaftlicher Existenz durchzogen. Das Kammerkonzert „Chanson d’amour – Eine musikalische Liebeserklärung“ spannt diesen Begriff historisch auf – von den ornamentalen Figurationen Jean-Philippe Rameaus bis zu den expressiven Chansons Edith Piafs – und lässt hören, wie sich das Bild der Liebe im Spiegel der musikalischen Praxis verändert. Im Barock erscheint die Liebe als harmonische Fiktion, eine Kunst, die das Gefühl in die Strukturen höfischer Konvention einbettet. Jede Verzierungsfigur, jede Affektwendung markiert die Grenze zwischen dem Privaten und dem Repräsentierten, zwischen individueller Sehnsucht und gesellschaftlicher Ordnung. Später, in der romantischen Arien- und Liedtradition, beginnt die Liebe zu sprechen – das „Ich“ tritt besonders hervor. Die Chansons des 20. Jahrhunderts schließlich bringen die Liebe als existentielle Erfahrung auf die Bühne: roh, unmittelbar und leidenschaftlich.
Das Konzertprogramm umfasst ausgewählte Werke aus sämtlichen Epochen der Musikgeschichte, um diese historisch wechselnden Nuancen sinnlich erfahrbar zu machen. Tenor Aco Bišćević und Tänzer Alberto Pagani verbinden diese musikalischen Stile und präsentieren die Liebe dabei nicht nur als bloßes Motiv, sondern imaginieren auch substanziell idyllische Naturbilder sowie intime und pastorale Szenen.

Mit Werken von Jean-Philippe Rameau, Georg Friedrich Händel, Antonio Vivaldi, Giuseppe Tartini, Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert, Felix Mendelssohn Bartholdy, Claude Debussy, Camille Saint-Saëns, Maurice Ravel, Hildegard Knef und Edith Piaf

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Datum

Sep. 13 2026

Uhrzeit

16:00

Standort

Wandelhalle Eisenach
Wartburgallee 53, 99817 Eisenach
Telefon
+49 3691 791861
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