Dass klassische Musik nicht ernst, steif und trocken ist, sondern auch sehr humorvoll, hintersinnig und unterhaltsam sein kann, zeigt die Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach in ihrem traditionellen Faschings- bzw. Rosenmontagskonzert.
Zwischen Mythos, Magie und Musik
Seit jeher hat das Geheimnisvolle, das Unerklärliche, Komponisten zu außergewöhnlichen Klangwelten inspiriert. Die Welt der Sagen und Mythen, bevölkert von Hexen, Elfen, Magiern und Geistern, öffnet der in der (Film-)Musik ein Reich, in dem Fantasie und Wirklichkeit ineinander übergehen.
Dieses Konzert widmet sich jenen Werken, in denen das Übersinnliche und Verwunschene Gestalt annimmt – nicht als bloße Illustration, sondern als Spiegel menschlicher Sehnsüchte und Ängste. Die Musik wird somit zum Medium, wodurch Unsichtbares hörbar und Ungreifbares erlebbar wird.
So entführt Edvard Grieg in seiner „Peer-Gynt“-Suite in die nordische Sagenwelt, wo Trolle, Elfen und Naturgeister die Grenzen zwischen Traum und Realität verwischen.
Was wäre der Film ohne die zughörige Filmmusik? Die zweite Hälfte des Konzerts führt in die Klangwelten der Filmmusik, die – ganz im Geist der Romantik – neue Formen des musikalischen Erzählens geschaffen hat. Howard Shore entwarf mit seiner Musik zu „Der Herr der Ringe“ ein gewaltiges sinfonisches Epos über Gut und Böse, über Mut, Macht und Mythos. John Williams schuf mit „Harry Potter“ eine eigene Klangwelt und definierte den klanglichen Charakter von Hexen, Zauberer und magischen Wesen komplett neu – nämlich mit funkelnder Orchestrierung, raffinierter Harmonik und einem untrüglichen Sinn für musikalische Figurenzeichnung.
Freuen Sie sich auf ein unterhaltsames, kurzweiliges und vor allem unbeschwert humoristisches Konzertprogramm, das Sie mit einem klanglichen Augenzwinkern überraschen wird!
Mit Werken von Howard Shore, John Williams und Edvard Grieg
Wenn Komponisten die Topoi „Liebesträume“ und „Winterträume“ illustrieren und in der Lage sind, diese interpretatorisch erfahrbar zu machen, entstehen außergewöhnliche musikalische Kleinode aus Nähe und Distanz, Wärme und Kälte sowie Leidenschaft und innerer Einkehr. Bei Tschaikowski wird der Winter zu einer Serie impressionistischer, fast fotografischer Klangbilder: Schnee glitzert in fahlem Sonnenlicht, Pferdeschlitten gleiten durch lichte Birkenwälder, Eisblumen zieren die Fenster, während drinnen der Samowar brodelt. Gleichzeitig spiegelt diese Winterwelt Tschaikowskis inneren Sturm wider: Zwei Jahre lang quält er sich an der Komposition, überrollt von Selbstzweifeln wie von einer Lawine. Tagsüber unterrichtet er, schreibt Briefe und unternimmt Spaziergänge, doch nachts tobt ein Schneesturm in seinem Inneren.
Bei Glinkas Ouvertüre zu „Ruslan und Ljudmila“ steht hingegen die „Liebe“ im Mittelpunkt – als zarte Sehnsucht, leidenschaftliche Hingabe und tragische Verzweiflung. Lebendige Rhythmen, folkloristische russische Melodien und orchestrale Virtuosität verschmelzen in dieser Oper zu einem Ausdruck unbeschreiblicher Freude und jugendlicher Leidenschaft. Auch im Violinkonzert „The Butterfly Lovers“ von Chen Gang und He Zhanhao findet die Liebe eine besonders poetische Umsetzung: Die Emotionen schweben und flirren wie Schmetterlinge durch den Raum – fragil, intensiv und flüchtig. Erzählt wird die chinesische Liebeslegende von Liang Shanbo und Zhu Yingtai, wobei die Violine die Rolle der Liebenden übernimmt und ihre Gefühle von Freude, Liebe, Trauer bis hin zur endgültigen Trennung ausdrückt. Pentatonische Tonleitern und traditionelle Klangfarben verleihen dem Werk eine unverwechselbar chinesische Note, während die Musik die gesamte Geschichte von der ersten Begegnung bis zur Verwandlung der Liebenden in Schmetterlinge emotional nachzeichnet.
MICHAIL GLINKA | Ouvertüre zur Oper „Ruslan und Ljudmila“
CHEN GANG & HE ZHANHAO | Violin Concerto „The Butterfly Lovers“
PJOTR ILJITSCH TSCHAIKOWSKI | Sinfonie Nr. 1 g-Moll op. 13 – „Winterträume“
Wenn Komponisten die Topoi „Liebesträume“ und „Winterträume“ illustrieren und in der Lage sind, diese interpretatorisch erfahrbar zu machen, entstehen außergewöhnliche musikalische Kleinode aus Nähe und Distanz, Wärme und Kälte sowie Leidenschaft und innerer Einkehr. Bei Tschaikowski wird der Winter zu einer Serie impressionistischer, fast fotografischer Klangbilder: Schnee glitzert in fahlem Sonnenlicht, Pferdeschlitten gleiten durch lichte Birkenwälder, Eisblumen zieren die Fenster, während drinnen der Samowar brodelt. Gleichzeitig spiegelt diese Winterwelt Tschaikowskis inneren Sturm wider: Zwei Jahre lang quält er sich an der Komposition, überrollt von Selbstzweifeln wie von einer Lawine. Tagsüber unterrichtet er, schreibt Briefe und unternimmt Spaziergänge, doch nachts tobt ein Schneesturm in seinem Inneren.
Bei Glinkas Ouvertüre zu „Ruslan und Ljudmila“ steht hingegen die „Liebe“ im Mittelpunkt – als zarte Sehnsucht, leidenschaftliche Hingabe und tragische Verzweiflung. Lebendige Rhythmen, folkloristische russische Melodien und orchestrale Virtuosität verschmelzen in dieser Oper zu einem Ausdruck unbeschreiblicher Freude und jugendlicher Leidenschaft. Auch im Violinkonzert „The Butterfly Lovers“ von Chen Gang und He Zhanhao findet die Liebe eine besonders poetische Umsetzung: Die Emotionen schweben und flirren wie Schmetterlinge durch den Raum – fragil, intensiv und flüchtig. Erzählt wird die chinesische Liebeslegende von Liang Shanbo und Zhu Yingtai, wobei die Violine die Rolle der Liebenden übernimmt und ihre Gefühle von Freude, Liebe, Trauer bis hin zur endgültigen Trennung ausdrückt. Pentatonische Tonleitern und traditionelle Klangfarben verleihen dem Werk eine unverwechselbar chinesische Note, während die Musik die gesamte Geschichte von der ersten Begegnung bis zur Verwandlung der Liebenden in Schmetterlinge emotional nachzeichnet.
MICHAIL GLINKA | Ouvertüre zur Oper „Ruslan und Ljudmila“
CHEN GANG & HE ZHANHAO | Violin Concerto „The Butterfly Lovers“
PJOTR ILJITSCH TSCHAIKOWSKI | Sinfonie Nr. 1 g-Moll op. 13 – „Winterträume“
DIRIGENT | Aurélien Bello
ERZÄHLER | Patrick Rohbeck
Max und Moritz – Ein Familienkonzert voller Schabernack, Streiche und sinfonischer Überraschungen!
Es ist angerichtet – und zwar nicht nur die berühmte Maikäfersuppe der Witwe Bolte, sondern ein ganzes musikalisches Festmahl voller Witz und Sinfonik! Freut euch auf ein Jugend- bzw. Familienkonzert der besonderen Art, denn Gisbert Näther hat Wilhelm Buschs legendäre Lausbubengeschichte in Töne gefasst – frech, fantasievoll und furios! Wenn Max und Moritz ihre sieben Streiche spielen, dann fliegen nicht nur Federn, sondern auch Noten – und zwar in rasender Geschwindigkeit durch den Konzertsaal: Das Federvieh gackert in den Geigen, der Lehrer Lämpel donnert in der Pauke, und Meister Müllers Mühle mahlt in den Holzbläsern auf Hochtouren. Genießt ein musikalisch-literarisches Vergnügen für die ganze Familie – mit Erzähler Patrick Rohbeck, der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach und natürlich der unvergleichlichen Geschichte von zwei Jungs, die das Chaos lieben und uns trotz aller Streiche so sympathisch sind. Max und Moritz muss man einfach mögen!
DIRIGENT | Aurélien Bello
ERZÄHLER | Patrick Rohbeck
Max und Moritz – Ein Familienkonzert voller Schabernack, Streiche und sinfonischer Überraschungen!
Es ist angerichtet – und zwar nicht nur die berühmte Maikäfersuppe der Witwe Bolte, sondern ein ganzes musikalisches Festmahl voller Witz und Sinfonik! Freut euch auf ein Jugend- bzw. Familienkonzert der besonderen Art, denn Gisbert Näther hat Wilhelm Buschs legendäre Lausbubengeschichte in Töne gefasst – frech, fantasievoll und furios! Wenn Max und Moritz ihre sieben Streiche spielen, dann fliegen nicht nur Federn, sondern auch Noten – und zwar in rasender Geschwindigkeit durch den Konzertsaal: Das Federvieh gackert in den Geigen, der Lehrer Lämpel donnert in der Pauke, und Meister Müllers Mühle mahlt in den Holzbläsern auf Hochtouren. Genießt ein musikalisch-literarisches Vergnügen für die ganze Familie – mit Erzähler Patrick Rohbeck, der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach und natürlich der unvergleichlichen Geschichte von zwei Jungs, die das Chaos lieben und uns trotz aller Streiche so sympathisch sind. Max und Moritz muss man einfach mögen!
Besonders in der Musik russischer Komponisten offenbart sich eine Tiefe, die zwischen tragischer Schicksalsergebenheit und leidenschaftlichem Aufbegehren oszilliert. Tschaikowskis „Romeo und Julia“-Fantasie lässt die uralte Geschichte der verbotenen Liebe in leuchtenden, expressiven Klangfarben aufleben. Zwischen den zarten Melodien und dramatischen Steigerungen entfalten sich Momente ungestümer Leidenschaft – Sinnbilder jugendlicher Hingabe, die sich verzweifelt gegen die dunklen Vorzeichen der Katastrophe stemmen. Auch Rachmaninows Schicksal erscheint wie ein Spiegel dieser existenziellen Spannung: Bekannt für seine Schwermut, wurde er von massiven Selbstzweifeln geplagt; er musste sich einer Hypnose-Therapie unterziehen, bis er mit der Komposition seines 2. Klavierkonzerts beginnen konnte. Auch Tschaikowskis 5. Sinfonie offenbart sich als ein Monument des existenziellen Ringens: Das wiederkehrende „Schicksalsmotiv“ durchzieht alle Sätze mit einer bedrückenden Unvermeidlichkeit – eine akustische Verkörperung von Melancholie, Depression und existenzieller Not. Und doch drängt sich der triumphale Schluss auf, der mit strahlender Wucht alles bisherige Dunkel zu überwinden scheint. Ist er Ausdruck eines endgültigen Sieges oder vielmehr der verzweifelte Versuch, dem eigenen Untergang zu trotzen? Diese Musik ist und bleibt ambivalent, vermag es aber, den Hörer in einen Sog von herzergreifender Verzweiflung und galoppierender Leidenschaft zu ziehen.
PJOTR I. TSCHAIKOWSKI | „Romeo und Julia“ – Fantasie-Ouvertüre nach Shakespeare
SERGEI RACHMANINOW | Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 c-Moll op. 18
PJOTR I. TSCHAIKOWSKI | Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64
Besonders in der Musik russischer Komponisten offenbart sich eine Tiefe, die zwischen tragischer Schicksalsergebenheit und leidenschaftlichem Aufbegehren oszilliert. Tschaikowskis „Romeo und Julia“-Fantasie lässt die uralte Geschichte der verbotenen Liebe in leuchtenden, expressiven Klangfarben aufleben. Zwischen den zarten Melodien und dramatischen Steigerungen entfalten sich Momente ungestümer Leidenschaft – Sinnbilder jugendlicher Hingabe, die sich verzweifelt gegen die dunklen Vorzeichen der Katastrophe stemmen. Auch Rachmaninows Schicksal erscheint wie ein Spiegel dieser existenziellen Spannung: Bekannt für seine Schwermut, wurde er von massiven Selbstzweifeln geplagt; er musste sich einer Hypnose-Therapie unterziehen, bis er mit der Komposition seines 2. Klavierkonzerts beginnen konnte. Auch Tschaikowskis 5. Sinfonie offenbart sich als ein Monument des existenziellen Ringens: Das wiederkehrende „Schicksalsmotiv“ durchzieht alle Sätze mit einer bedrückenden Unvermeidlichkeit – eine akustische Verkörperung von Melancholie, Depression und existenzieller Not. Und doch drängt sich der triumphale Schluss auf, der mit strahlender Wucht alles bisherige Dunkel zu überwinden scheint. Ist er Ausdruck eines endgültigen Sieges oder vielmehr der verzweifelte Versuch, dem eigenen Untergang zu trotzen? Diese Musik ist und bleibt ambivalent, vermag es aber, den Hörer in einen Sog von herzergreifender Verzweiflung und galoppierender Leidenschaft zu ziehen.
PJOTR I. TSCHAIKOWSKI | „Romeo und Julia“ – Fantasie-Ouvertüre nach Shakespeare
SERGEI RACHMANINOW | Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 c-Moll op. 18
PJOTR I. TSCHAIKOWSKI | Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64
Die Passion bildet das Herzstück der christlichen Lehre, eine Erzählung von Opfer, Liebe und unermesslichem Schmerz, die im Angesicht des Todes den Weg zu Vergebung und Erlösung aufzeigt. Besonders am alljährlichen Karfreitag, jenem stillen Tag des Leidens und der inneren Einkehr, offenbart sich die Tragik, aber auch die erhabene Herrlichkeit des irdischen Daseins. Es ist ein Moment, in dem die Menschen innehalten, um über Schmerz und Vergänglichkeit, über Schuld und Barmherzigkeit nachzudenken – und zugleich das eigene Leben im Geflecht der Mitmenschen zu reflektieren. In dieser spirituellen Atmosphäre gewinnt das Leiden Jesu Christi nicht allein historische, sondern auch existenzielle Bedeutung. Der Theologe Friedrich Rochlitz schuf ein Libretto, das den gesamten Leidensweg – vom Verhör bis zur Grablegung – erfasst, und inspirierte den Komponisten Louis Spohr zu einer musikalischen Umsetzung, die ihresgleichen sucht. Mit seinem Passionsoratorium „Des Heilands letzte Stunden“ gelang Spohr ein Werk von epochaler Tiefe: Es transportiert den Schmerz der Leidensgeschichte in jeden Ton, öffnet aber zugleich einen Raum für Hoffnung und inneren Frieden. Die Uraufführung dieses Meisterwerks am Karfreitag des Jahres 1835 wurde zu einem bedeutenden Ereignis, das sowohl die religiöse als auch die kulturelle Wahrnehmung der Passion nachhaltig prägte. So verbindet Spohrs Musik die Dimension des Historischen mit der zeitlosen Möglichkeit, über das eigene Leben und die universellen Fragen von Leiden, Mitgefühl und Erlösung nachzusinnen.
FELIX MENDELSSOHN BARTHOLDY | „Verleih uns Frieden“ – Gebet MWV A 11
LOUIS SPOHR | „Des Heilands letzte Stunden“ – Passionsoratorium WoO 62
Die Passion bildet das Herzstück der christlichen Lehre, eine Erzählung von Opfer, Liebe und unermesslichem Schmerz, die im Angesicht des Todes den Weg zu Vergebung und Erlösung aufzeigt. Besonders am alljährlichen Karfreitag, jenem stillen Tag des Leidens und der inneren Einkehr, offenbart sich die Tragik, aber auch die erhabene Herrlichkeit des irdischen Daseins. Es ist ein Moment, in dem die Menschen innehalten, um über Schmerz und Vergänglichkeit, über Schuld und Barmherzigkeit nachzudenken – und zugleich das eigene Leben im Geflecht der Mitmenschen zu reflektieren. In dieser spirituellen Atmosphäre gewinnt das Leiden Jesu Christi nicht allein historische, sondern auch existenzielle Bedeutung. Der Theologe Friedrich Rochlitz schuf ein Libretto, das den gesamten Leidensweg – vom Verhör bis zur Grablegung – erfasst, und inspirierte den Komponisten Louis Spohr zu einer musikalischen Umsetzung, die ihresgleichen sucht. Mit seinem Passionsoratorium „Des Heilands letzte Stunden“ gelang Spohr ein Werk von epochaler Tiefe: Es transportiert den Schmerz der Leidensgeschichte in jeden Ton, öffnet aber zugleich einen Raum für Hoffnung und inneren Frieden. Die Uraufführung dieses Meisterwerks am Karfreitag des Jahres 1835 wurde zu einem bedeutenden Ereignis, das sowohl die religiöse als auch die kulturelle Wahrnehmung der Passion nachhaltig prägte. So verbindet Spohrs Musik die Dimension des Historischen mit der zeitlosen Möglichkeit, über das eigene Leben und die universellen Fragen von Leiden, Mitgefühl und Erlösung nachzusinnen.
FELIX MENDELSSOHN BARTHOLDY | „Verleih uns Frieden“ – Gebet MWV A 11
LOUIS SPOHR | „Des Heilands letzte Stunden“ – Passionsoratorium WoO 62
Die Thüringer Bachwochen sind das größte Musikfestival des Freistaats Thüringen und eines der bedeutendsten Barockfestivals Europas. Jedes Frühjahr lässt es die Klangwelt Johann Sebastian Bachs und seiner musikalischen Familie an authentischen Schauplätzen neu erklingen. Zwischen historischen Kirchen, Residenzen und Konzertsälen entfalten renommierte Ensembles und Solistinnen ein vielfältiges Programm, das von originalgetreuen Aufführungen über zeitgenössische Interpretationen bis hin zu Crossover-Projekten reicht. So wird das kulturelle Erbe Bachs lebendig und in die Gegenwart getragen – mitten im Land, das als Wiege der Musikerfamilie gilt.
Die Wurzeln dieser Familie liegen in Wechmar, wo der Stammvater Veit Bach um 1600 als Bäcker und Spielmann lebte und damit den Grundstein für eine der größten Musikertraditionen Europas legte. In Erfurt, einem frühen Zentrum der „Bache“, finden sich zahlreiche Spuren familiären Wirkens und Verbindungen – etwa in der Kaufmannskirche, wo Taufen und Hochzeiten dokumentiert sind. Eisenach wiederum ist untrennbar mit Johann Sebastian Bach selbst verbunden: In der Georgenkirche wurde er 1685 getauft, und das heutige Bachhaus erzählt eindrucksvoll von seiner Kindheit und den musikalischen Einflüssen seiner Jugend. Nach dem frühen Tod seiner Eltern fand der junge Bach in Ohrdruf bei seinem Bruder Johann Christoph ein neues Zuhause. Dort erhielt er den ersten systematischen Unterricht an der Orgel und entwickelte ein tiefes Verständnis für das Handwerk der Komposition.
Tipp: Ein Ausflug zum historisch eindrucksvollen Schloss Ehrenstein in Ohrdruf wird durch eine besondere Klangstation im Schlossgarten zu einem Erlebnis für Augen und Ohren. Direkt vor dem Renaissancebau lädt eine interaktive Hörstation der Reihe Bach‑Orgel die Besuchenden ein, durch Betreten eines Pedals selbst Musik von Johann Sebastian Bach zum Erklingen zu bringen – eine lebendige Verbindung zwischen Ort und Werk. Damit wird nicht nur die lange Bach-Tradition der Region spürbar, sondern auch das frühe Wirken Bachs in Ohrdruf hörbar gemacht.
In Arnstadt begann 1703 seine berufliche Laufbahn als Organist der Neuen Kirche. Hier sorgte sein virtuoses Spiel ebenso für Bewunderung wie für Diskussionen – ein früher Ausdruck seiner künstlerischen Eigenständigkeit. Unweit davon, in Dornheim, fand 1707 ein persönliches Ereignis statt: In der kleinen St.-Bartholomäus-Kirche heiratete er Maria Barbara Bach. Nur wenig später führte ihn sein Weg nach Mühlhausen. Den Höhepunkt seiner Thüringer Jahre erlebte Bach schließlich in Weimar, wo er zwischen 1708 und 1717 als Hoforganist und Konzertmeister tätig war. Hier entstanden zahlreiche Orgelwerke und Kantaten, die seine Kunst zu voller Reife führten.
So verbinden die Thüringer Bachwochen Vergangenheit und Gegenwart auf einzigartige Weise. Sie machen das Land, in dem Bach lebte, lernte und wirkte, zu einer klingenden Landschaft, in der Musikgeschichte lebendig wird – ein kulturelles Fest, das Thüringen Jahr für Jahr in einen Ort des Hörens, Entdeckens und Staunens verwandelt.
Bachs Intermezzo in Mühlhausen
Als Bach 1707 im zarten Alter von 22 Jahren seinen Dienst im Mühlhausen antrat, suchte er nach neuen Herausforderungen und entfloh den zunehmend beengten Verhältnissen in Arnstadt. Seine zweite berufliche Station war zwar kurz, aber durchaus von Erfolg gekrönt – finanziell wie auch kompositorisch.
Die mittelalterliche Reichsstadt mit elf Kirchen, einer begehbaren Stadtmauer mit Wehrtürmen und schmucken Bürgerhäusern war mehr als nur eine Wirkungsstätte – es war für Bach ein Ort der neuen Möglichkeiten und Entscheidungen. Hier entstanden Werke wie die Kantate „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“, die berühmte Toccata und Fuge in d-Moll sowie die Passacaglia in C-Moll. Das bedeutendste Ereignis war allerdings die Komposition der Kantate „Gott ist mein König“.
Neue Leidenschaft für Vokalmusik
In der Divi Blasii Kirche, einer beeindruckenden dreischiffigen Basilika, übernahm Bach die Position eines Organisten, nachdem er am Ostersonntag 1707 ein meisterhaftes Orgelvorspiel darbot. Bach zeigte in Mühlhausen neben seinem musikalischen Können auch großes Verhandlungsgeschick. Wie bei seiner letzten Stelle, erhält er auch hier mehr Lohn als sein Vorgänger. Nützlich war sicherlich auch die Verwandtschaft seiner Verlobten mit dem Stadtkammerschreiber. Sein Gehalt betrug jedenfalls 85 Gulden plus drei Malter Korn, zwei Klafter Holz und sechs Bündel Reisig, „an statt des ackers, vor die thür geführet“, forderte Bach selbstbewusst. Die großzügige Bezahlung ermöglichte ihm nicht nur ein sorgenfreieres Leben, sondern auch, eine Familie zu gründen. So heiratete er im Oktober desselben Jahres seine Cousine Maria Barbara Bach in der rund 70 Kilometer entfernten Dorfkirche von Dornheim bei Arnstadt.
Die Stadträte Mühlhausens schätzten den jungen Organisten und ließen ihm damals ausreichende Freiheiten. Leider fehlte das Geld für die dringend benötigte Renovierung der stark veralteten Kirchenorgel. Bach verfasste einen detaillierten Plan für einen preiswerten Umbau, um sie zu erweitern und an die finanziellen Möglichkeiten der Stadt anzupassen. Doch die politischen und finanziellen Probleme in Mühlhausen, sowie die zerrissene Haltung zur Kirchenmusik, verhinderten die Umsetzung. Als der von ihm vorgeschlagene Orgelumbau schließlich beginnt, ist Bach schon nicht mehr in Mühlhausen. Im Juni 1708 verließ er die Stadt, um in Weimar als Hoforganist und Kammermusiker zu wirken.
Das Erbe Johann Sebastian Bachs wird in Mühlhausen bis heute lebendig gehalten. In der Divi Blasii Kirche finden regelmäßig Konzerte statt, darunter Kantatengottesdienste, Oratorien und Passionen. Ein Highlight ist außerdem das traditionelle Weihnachtssingen im Dezember, bei dem der Bachchor zusammen mit dem Evangelischen Posaunenchor Mühlhausen konzertiert.
Tipp: Ausflug zum Bach-Stammhaus in Wechmar. Einige Kilometer westlich, zu Füßen der Burgenlandschaft Drei Gleichen, stößt man auf ein weiteres Kleinod unter den Bachorten. Wechmar kann mit Fug und Recht von sich behaupten, der Bach-Stammort zu sein: Die Gemeinde gilt als die älteste Bach-Wirkungsstätte der Welt. Hier nahm alles seinen Ursprung. Hier lebte der aus Ungarn eingewanderte Veit Bach mit dessen Sohn, dem Spielmann Hans Bach – die Stammväter der berühmten Musikerfamilie.
„VERY SUITE“ – Suiten und Violinkonzerte der Bachfamilie
MUSIKALISCHE LEITUNG & SOLO-VIOLINE | Midori Seiler
SOLO-VIOLINE | Alexej Barchevitch
Es spielt das Barockorchester der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach.
Die Musik des Barocks erreichte in Thüringen ihren glanzvollen Höhepunkt – nirgends spiegeln sich künstlerische Vielfalt, Virtuosität und geistige Tiefe eindrucksvoller als im Werk Johann Sebastian Bachs. Aus der reichen mitteldeutschen Musiktradition hervorgegangen, vereinte Bach in seiner Kompositionskunst strenge Polyphonie, emotionale Ausdruckskraft und technische Brillanz zu einem unvergleichlichen Ganzen.
Bach entstammte einer weitverzweigten Musikerfamilie, deren Mitglieder über Generationen hinweg das Musikleben Mitteldeutschlands prägten. Seine Söhne setzten diese Tradition fort und suchten zugleich ihren eigenen Stil in einer Zeit des Wandels. Besonders Johann Gottfried Bernhard Bach wirkte 1735/36 als Organist in Mühlhausen und führte damit die familiäre Verbindung zu dieser Stadt fort. Auch Bachs Verwandter Johann Bernhard Bach, ein angesehener Komponist und Organist in Eisenach, verband französische Eleganz mit italienischer Virtuosität – Einflüsse, die auch Johann Sebastian und seine Nachkommen inspirierten.
Die Thüringen Philharmonie würdigt dieses Erbe mit dem Barockkonzert „Very Suite“, das Johann Sebastian Bach und seiner schöpferischen Familie gewidmet ist. Unter der Leitung der Barockspezialistin Midori Seiler entsteht so ein klingendes Denkmal für die schöpferische Kraft der Bachs und für die einzigartige Musikkultur Thüringens.
Das Konzert findet im Rahmen der „Thüringer Bachwochen“ statt.
JOHANN BERNHARD BACH | Orchestersuite in e-Moll für Streicher und Basso continuo
JOHANN SEBASTIAN BACH | Konzert für zwei Violinen, Streicher und Basso continuo d-Moll BWV 1043
JOHANN SEBASTIAN BACH | Konzert g-Moll für Violine, Streicher und Basso continuo BWV 1056
JOHANN SEBASTIAN BACH | Orchestersuite Nr. 3 D-Dur BWV 1068