España y Iberoamérica! Temperament, Stolz, Emotion und Lebensfreude – diese Merkmale spiegeln die Seele Spaniens und Lateinamerikas par excellence wider. Der spanisch geprägte Kulturkreis faszinierte viele Generationen von Schriftstellern, Malern und Komponisten, die ihre ungestillte Sehnsucht nach dem leidenschaftlichen Sentiment der Iberer in ihrer Kreativität und Fantasie geradezu beflügelte. Lediglich die Spanier selbst mussten erst lernen, den Charme und Reiz ihres Vaterlandes in die Musik proaktiv einzubauen.

„Wir werden die spanische Lebensweise musikalisch auf die Bühne bringen“, sagt Chefdirigent Markus Huber über das Konzert am Donnerstag (26. Oktober 2023) in der Gothaer Stadthalle (Beginn: 19.30 Uhr). Als Solistin ist Miriam Rodriguez Brüllová mit ihrer Gitarre zu gast.

Besonders im Spanien des 19. und frühen 20. Jahrhunderts herrschte eine kompositorische Flaute, wohingegen im Nachbarland Frankreich ein regelrechter Hispanismus aufflammte, beispielsweise durch Werke wie Édouard Lalos „Symphonie espagnole“, Georges Bizets „Carmen“, Claude Debussys „Iberia“ und Emmanuel Chabriers „España“. Sogar im fernen Russland brach eine Spanien-Mode aus, nachdem Michail Glinka in den 1840er Jahren das südeuropäische Land bereist und die „spanische Musik“ ins Zarenreich gebracht hatte. Meisterwerke wie Nikolai Rimski- Korsakows „Capriccio espagnol“ op. 34 und Maurice Ravels „Rapsodie espagnole“ (M. 54) gelten musikhistorisch demnach als Paradebeispiele für Kompositionen mit spanischem Lokalkolorit und flammenddynamischem Exotismus.

Erst Wegbereiter der sog. „Klassischen Nationalmusik“ wie Isaac Albéniz und Manuel María de Falla y Matheu wurden durch die exotisch geprägten französischen Hispanismen dazu angeregt, sich ihrer folkloristischen Herkunft zu besinnen. Zu ihnen gehörte auch der argentinische Komponist Alberto Ginastera, der mit seinen vier Tänzen aus dem Ballett „Estancia“ op. 8a – insbesondere mit dem letzten Satz, der vom Malambo-Tanz der argentinischen Gauchos inspiriert ist – einen wesentlichen Beitrag zur südamerikanischen klassischen Moderne leistete.

„Klassische Musik dem Zeitgeist anpassen“ – das ist auch das Credo des 1932 geborenen Spaniers Manuel Moreno-Buendía. Er gilt als einer der letzten bedeutenden Zarzuela-Komponisten seiner Generation. Im sinfonischen Bereich komponierte er die „Suite concertanta“ für Harfe und Orchester sowie das „Concierto del buen amor“, ein anspruchsvolles Gitarrenkonzert, das von einem literarischen Werk Juan Ruiz‘ – genannt: Erzpriester von Hita – inspiriert ist.

 

 

Konzertreihe A: Rhythmus. Feuer. Leidenschaft. | Sinfoniekonzert A2 | Stadthalle Gotha

Dirigent: Markus Huber
Gitarre: Miriam Rodriguez Brüllová

Alberto Ginastera: Vier Tänze aus dem Ballett „Estancia“ op. 8a
Manuel Moreno-Buendía: Concierto del buen amor für Gitarre und Orchester
Nikolai Rimski-Korsakow: Capriccio espagnol op. 34
Maurice Ravel: Rapsodie espagnole M. 54